Dirk Jenssen
Leitender Pfarrer der Katholischen Kirche Nordharz

60 x Maria in Goslar

Es ist schon ein Erlebnis als Neubürger und katholischer Christ in diese wunderschöne Stadt Goslar zu kommen. Alles atmet Geschichte und geistliches Leben.

In dieser Adventszeit – der Erwartungszeit auf die Geburt Jesu, ist mir folgendes aufgefallen: So gibt es 60 Mariendarstellungen, die öffentlich zugänglich sind. Goslar, eine Stadt mit offensichtlich speziellem Gepräge. Die Stadtführerin, die uns führte machte uns sogar darauf aufmerksam, dass in alter Zeit hier der Marientaler als Währung geprägt wurde.

Aller Orten wunderschöne Darstellungen der Mutter Jesu: Die Steinfigur am Rathaus an der linken Außenfront, im Huldigungssaal, rechts vom Schrank in der Mitte um 1500; in der Neuwerkskirche das zentrale Bild in der Apsis um 1220; das Goslarer Evangeliar mit seiner Weihnachtsdarstellung. So könnte man fortfahren.

Im Advent feiern wir das ‚Ja‘ Mariens zu Gottes Plan. Es fragt mich und Dich, ob ich auch empfangsbereit bin. Das schöne ist, dass dieses Geheimnis für alle Christen wesentlich ist.

Am Donnerstag dem 8. Dezember haben wir gefeiert, dass Maria von Anfang an von Gott bereitet wurde, Jesus Christus zu gebären (Maria immaculata – ohne Makel empfangen). Sie war ganz frei, Jesus Christus zu empfangen – aus Gnade. Aus Gottes unverdienter Zuwendung wurde sie vorbereitet, Jesus Christus das Leben zu schenken. Hier ist allein durch Gottes Gnade die Rechtfertigung von der Luther sprach schon exemplarisch vorweggenommen. Sie ist die eigentliche ökumenische Frau, eben weil sie voll der Gnade war. Ein Prototyp für jeden Christen.

Eine ihrer schönsten Darstellungen – passend zum Fest am 8.Dezember können wir in der Annenkapelle bei der Figurengruppe in der Eingangsdiele betrachten.

Die Adventszeit ist die Erwartungszeit schlechthin. Maria ist in Erwartung. Du und ich werden gefragt, ob wir auch empfangsbereit sind. Vielleicht helfen uns in dieser Vorbereitungszeit die Motive, die unsere schöne Stadt bietet.

Ich werde die Augen aufmachen, ob in St. Jakobi oder anderswo, um etwas von dem Wunder zu erfahren, das Gott Mensch werden möchte: in einem konkreten Menschen wie in Maria und in Dir.