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Pastor Ulrich Schmalstieg
Künstlerseelsorger
St. Jakobi - Goslar |
Sind Künstler eigentlich anders als wir, fragte mich kürzlich eine Frau am Rande einer Gemeindeveranstaltung. In einer bestimmten Hinsicht schon, antwortete ich: Sie haben meist von zu Hause gehört, lern´ doch etwas Vernünftiges, wovon du sicher leben und eine Familie ernähren kannst. Aber sie folgen lieber der Stimme ihres Herzens, wollen Bildhauer oder Malerin werden und ihr Innerstes zum Ausdruck bringen. Es ist häufig ein Getriebensein, einer Berufung folgen und den ureigenen Beitrag zum Leben auf dieser Erde zu leisten, gespannt darauf, ob jemand ihre Sprache versteht. Die Künstlerseelsorge spürt dem nach und sucht von den Künstlern für unsere Verkündigung und Weltsicht zu lernen. |
Ein Beispiel für viele: Otto Freundlich. In einer Welt der blühenden Nationalismen entwickelte er 1928 seine Vision einer Straße des Friedens von Paris nach Moskau, die mit ihren Skulpturen internationaler Künstler das hermetische Blockdenken durchstoßen und von Dialog, Gemeinschaft und Verbundenheit künden sollte. Sie blieb zunächst Utopie, da Freundlich 1943 im Konzentrationslager starb. Doch 1970 ließ sich der saarländische Bildhauer Leo Kornbrust von dieser Vision anstecken. Seither wächst die Straße des Friedens von West und Ost in vielen Wegstücken zusammen. Auch von Liebenburg nach Salzgitter laden Stahlskulpturen internationaler Künstler in der üppig blühenden Vegetation zum Innehalten ein. Sie geben dem Suchen einer neuen Weltsicht auf vielerlei Weise Ausdruck und trotzen zwar rostend aber ausdauernd - wie unsere Friedenssehnsucht - aller kurzlebigen Propaganda von Regimen.

„Der Kuss“ von Menashe Kadishman, Israel
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