140 Jahre katholische Kirche in Bad Harzburg

Vor 140 Jahren wurde das erste katholische Gotteshaus in Schlewecke im Amt Harzburg geweiht. Dieses Haus befindet sich in der Breiten Straße 110 in Bad Harzburg Ortsteil Schlewecke, Eva und Jürgen Raders, beide Mitglieder der St.-Gregor-Gemeinde, wohnen dort.

Doch zurück in das Jahr 1876: Das Amt Harzburg mit den umliegenden Dörfern bildete eine Enklave des Herzogtums Braunschweig. In den Jahrzehnten davor entstanden hier immer mehr Arbeitsplätze in der Industrie und im Bergbau, dadurch stieg auch der katholische Anteil der Bevölkerung. Das Fehlen einer katholischen Seelsorge in der Enklave wurde von den Bürgern als sehr schmerzlich empfunden. Um an einem sonntäglichen Gottesdienst teilzunehmen, musste man den beschwerlichen Weg nach Vienenburg oder Goslar, meist zu Fuß, bewältigen. In ihrer Not wandten sich die Katholiken an den Bischof Wilhelm in Hildesheim. Daraufhin plante der fürsorgliche Bischof Wilhelm eine Mission in Harzburg zu errichten. Er beantragte bei der Regierung in Braunschweig für diese neue Mission die Anstellung eines Priesters, dieser Antrag wurde abgelehnt. Daraufhin schlug der Bischof vor, die
Mission Stade nach Harzburg zu verlegen, dieser Antrag wurde genehmigt.

Am 9. Dezember 1876 verfügte Bischof Wilhelm die "Transferierung" der Mission Stade, samt Missionspriester Bernhard Krebs, nach Harzburg. Sämtliche Vermögenswerte und Inventargegenstände, soweit sie nicht von den Stader Katholiken angeschafft waren, gingen über in die neue Mission. Schon bevor die Verlegung der Mission Stade endgültig geregelt war, hatte der Freiherr Max von Böselager aus Heessen in Westfalen veranlasst für die Mission Harzburg ein Haus zu kaufen, in dem der Gottesdienst stattfinden sollte. Der beauftragte Vertreter des Freiherrn, Pfarrverweser Joseph Sorge aus Vienenburg, fand ein passendes Anwesen in Schlewecke, es trug die Assekuranznummer 69. Am 16. November 1876 wurde es für 4650 Mark von der Familie Kreinacke erworben.

Im Haus wurde im Untergeschoss ein Betsaal und im 1. Stock eine Wohnung für den Geistlichen eingerichtet. Am 21. Januar 1877 wurde die erste heilige Messe gefeiert. Und somit war der langgehegte Wunsch der Katholiken im Amt Harzburg in Erfüllung gegangen. Mit Freude und Stolz haben sie ihren ersten Seelsorger mit den Worten begrüßt: "Gott Dank, nun haben wir einen Priester in unserer Mitte und eine geordnete Seelsorge." Schon bald konnte das Missionshaus die vielen aktiven Gläubigen nicht mehr fassen. Der rührige Pastor Krebs fand ein Grundstück in Bündheim, er sammelte unermüdlich Spendengelder. Der Bau der St.-Gregor-Kirche wurde in Angriff genommen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Das Missionshaus wurde am 7. Dezember 1882, nach der Fertigstellung der Kirche und des Pfarrhauses, für 3150 Mark an den Händler Volk verkauft.

Am Sonnabend, dem 21. Januar 2017 wurde im alten Missionshaus eine heilige Messe mit anschließender Begegnung gefeiert.

Text: Raders
Fotos: Röckelein
Literatur: Geschichte der Mission Harzburg von 1926 durch Paulinus Druckerei Trier

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