Die Geschichte der Kirche

In der vielfältigen Gestalt, in der sich die St.-Jakobi-Kirche heute in ihrem Baukörper, wie in ihrer Ausstattung darstellt, spiegelt sich die Geschichte derer wider, die mit ihr durch Jahrhunderte gelebt haben. Menschen aus der Zeit der Romanik, der Gotik, der Renaissance, des Barock und der heutigen Zeit haben ihr Antlitz geprägt. In der Vielheit der Stile, bis hin zur zeitgenössischen Kunst, in und um den Kirchenraum, drückt sich eine große Fülle menschlichen Lebens und Glaubensempfinden aus.

Die St.-Jakobi-Kirche verbindet diese Vielfalt zu einer lebendigen Einheit. In diesem Sinne mag sie als Bau ein Bild sein für die eine Kirche, die die Vielfalt der Kirchen und Bekenntnisse, die Vielfalt menschlicher Kulturen, Gesellschaften und Mentalitäten durch den Glauben zur Einheit führen möchte.

Die St.-Jakobi-Kirche: Ihr Wandel im Lauf der Geschichte

Die Jakobikirche in Goslar war im Laufe der Geschichte einer Reihe von baulichen Veränderungen unterworfen, die ihr Gesicht von ihren Anfängen bis heute so sehr verwandelt haben, dass es nur noch wenige seiner ursprünglichen Züge trägt.

Sie wurde etwa zwischen 1065 und 1073 als dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika errichtet, an die dann im frühen 12. Jahrhundert noch der Westbau mit einer Zweiturmfassade angeschlossen wurde.
Erhalten geblieben sind große Teile des Westbaus und acht von ehemals sechzehn Pfeilern (die T-Pfeiler im Westen, vier Freipfeiler des mittleren Quadrates im Mittelschiff, sowie die beiden gegenüberliegenden, westlichen Vierungspfeiler der Vierungsbogen mit Malerei der Gildewappen, Reste der nördlichen und südlichen Querhausarme und die Querhausostmauer.

Unter den mittelalterlichen Kirchen Goslars tritt die Pfarrkirche St. Jakobi aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes weniger hervor als etwa die Marktpfarrkirche St. Cosmas und Damian mit ihrem hohen zweitürmigen Westbau und dem anschließenden basilikalen Langhaus oder die Klosterkirche Neuwerk mit ihrem reich gegliederten spät romanischen Chorbau.
Vielmehr stellt sich die Kirche heute als einfacher, ihrer Maßwerkfenster beraubter Baukörper mit einheitlichem Satteldach dar, dessen Firstlinie fast die Traufe des romanischen, nur mit kurzen Turmaufbauten versehenen Westriegels erreicht und diesen daher weitgehend im Kirchendach verschwinden lässt. Das tatsächliche Alter der Jakobikirche zeigt sich daher erst beim Betreten des Innenraums, wo vor allem die Schiffspfeiler in ihrer aus verschiedenen Elementen zusammengesetzten Form eine differenzierte Baugeschichte belegen, deren Endergebnis erst der heutige Hallenraum mit seinen drei gleich hohen Schiffen darstellt, wobei die einzelnen Phasen dieses sukzessiven Ausbaus eng mit der städtischen Entwicklung Goslars zusammenhängen.

Erweiterungen

Eine erste Erweiterung erfuhr die Jakobikirche im frühen 12. Jahrhundert durch den Anbau eines westlichen Querriegels, ähnlich der älteren Turmfront des Hildesheimer Domes. Im Inneren zeigt der rechteckige Unterbau der heutigen Westfassade eine zweigeschossige Unterteilung durch Kreuzgratgewölbe, die über Säulen mit schweren Würfelkapitellen, zwischen den von Arkaden durchbrochenen Trennmauern eingezogen waren.

Ihr oberer Mittelraum war durch eine große, heute von der Orgel verstellte Rundbogenöffnung als Patronatsempore zum Mittelschiffraum der Basilika geöffnet. Im Unterschied zu den einfachen Kämpfern der ersten Bauzeit wurde hier eine reiche Bauornamentik in Kerbschnittechnik angewandt, während die Raumform selbst wie die Verkürzung eines zweigeschössigen Herrscheroratoriums, ähnlich der um 1035 erbauten Liebfrauenkirche in der Goslarer Pfalz wirkt.

Das Kircheninnere selbst erhielt etwa Mitte des 13. Jahrhunderts seine heutige Einwölbung, die den Raumeindruck dem der unmittelbar benachbarten, 1173 begonnen Neuwerkskirche angleichen sollte. Zu ihrer Unterstützung musste jedem zweiten Pfeilerpaar der Basilika in gleicher Breite eine rechteckige Vorlage angefügt werden, deren vorgesetzte Halbsäule den breiten spitzbogigen Gurtbogen trägt. In die Winkel zu den Vierungspfeilern wurden Rechteckvorlagen mit schlanken Ecksäulen, ähnlich der Neuwerkkirche eingestellt.
Die Kelchblockkapitelle der Säulen zeigen eine reiche, spät romanische Ornamentik, das Kelchkapitell des Nordwestpfeilers besitzt demgegenüber bereits frühgotische Zungenblätter.

Im unmittelbaren Anschluss an die Einwölbung der Kirche wurde im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts der romanische Ostchor einschließlich der östlichen Vierungspfeiler abgebrochen und durch einen vergrößerten gotischen Neubau ersetzt, der nach einem quadratischen Vorchorjoch in einen gestelzten 5/8-Schluß übergeht. Dabei wurde das spätromanische, aus drei gestaffelten Rundstäben bestehende Rippenprofil des Langhauses zu einem Birnstab verändert und nur in der Vierung ein kämpferlos durchlaufender Rundstab benutzt.

Umgestaltung

Eine grundlegende Umgestaltung erfuhr die Jakobikirche, die im späten Mittelalter im Unterschied zur patrizischen Marktkirche zur vorrangigen Kirche der Goslarer Handwerksgilden geworden war, um die Wende zum 16. Jahrhundert, als sich mit dem Bevölkerungswachstum auch der Platzbedarf vergrößert hatte. Eingeleitet wurde dieser spätgotische Umbau mit einer teilweisen Erneuerung des Chores, wo eine Inschrift von 1496 am südöstlichen Strebepfeiler auf eingreifende Baumaßnahmen hinweist. Dabei erhielten mehrere der Polygonfenster eine neue Maßwerkeinteilung, die jedoch nicht erhalten ist, während das vor allem in seinem oberen Teil erneuerte Mauerwerk durch ein zweites gekehltes Traufgesims über dem bestehenden erhöht wurde. Den Baubeginn des Langhauses überliefert die Goslarer Chronik für das Jahr 1506. Hierbei wurde die romanische Basilika vollständig von neuen Umfassungsmauern eingeschlossen, die den später ausgebrochenen Querhausstirnen vorgesetzt waren. Wie ältere Stadtansichten zeigen, wiederholte dieser Umbau die Giebelaufsätze, über dem östlichen Hallenjoch, das damit nach außen als Querhaus in Erscheinung trat. Die bisherigen schmalen Seiten wurden auf das gleiche Maß wie die Querhausarme verbreitert und erhöht, um durch das Herausnehmen der Mittelschiffsmauern zwischen den spätromanischen Gewölbevorlagen zu einem dreischiffigen Hallenraum erweitert zu werden. Den Abschluss der Bauarbeiten im Jahre 1512 bezeichnet eine Inschrift an einem der Strebepfeiler der Nordseite, sowie eine zweite in der Nordwestecke des nördlichen Seitenschiffs, die sich auf die Stiftung des Trinitätsaltars bezieht. 1516 wurde noch die südliche Portalvorhalle dem westlichen Langhausjoch angefügt, die über dem Portal eine Relieffigur des heiligen Jakobus als Pilger zeigt.

In der Außenansicht äußert sich die Bedeutung, die der Kirche seitens der städtischen Bürgerschaft zuerkannt wurde, in dem hohen formalen Aufwand, der insbesondere noch an der südlichen Portalvorhalle erkennbar ist. Die übrigen, wesentlich kleineren Portale der Halle besitzen Gewände mit spätgotischen Stabdurchsteckungen. Ähnliche Stabformen über einem zweiteiligen Sockel mit gedrehten Kanneluren kommen auch an den Fensterlaibungen der Südseite und im nördlichen Querhausfenster vor. Nicht mehr vorhanden sind dagegen die ursprünglich aus Fischblasenformationen bestehenden Maßwerkbekrönungen der Langhausfenster, deren Ansatz in der Bogenlaibung noch anhand des Steinschnitts zu sehen ist, so dass außer den Portalen und der sorgfältigen Steinmetzechnik der Quader nur noch die mit Krabben und Kielbögen besetzten Strebepfeiler von dem ursprünglich reich gegliederten Äußeren zeugen.
Der spätgotischen Bauzeit der Kirche gehören auch die runden Freigeschosse der Westtürme an, die zu ihrer Gliederung vorgelegten Rundstäbe mit gedrehten Kanneluren erhielten. Ihr oberes Schallarkadengeschoss zeigt dagegen im Steinverband deutlich Veränderungsspuren, die auf einen nachträglichen Umbau hinweisen. Gleichzeitig wurde auch die Glockenstube mit ihren großen Rundbogenöffnungen zwischen die Turmaufbauten eingefügt. Einen Anhaltspunkt für die Datierung dieser Baumaßnahme geben die am Turmunterbau angebrachte Inschrift von 1690 und die im Kranzgesims eingemeißelte Jahreszahl 1746 sowie die 1747 bezeichnete Wetterfahne des südlichen Turmhelms.
In die gleiche Zeit geht auch ein durchgreifender Umbau der Kirche selbst zurück, die 1744 ihr heutiges flach geneigtes Walmdach erhielt, wegen dem auch die bestehenden Querhausgiebel abgetragen wurden. Zur besseren Beleuchtung der seit 1528 protestantischen Predigtkirche wurden jetzt alle Maßwerke in dem Fenster von Langhaus und Chorhaupt herausgebrochen und in den beiden spätgotischen Seitenschiffen die Gewölbe ersetzt. Zum mittelalterlichen Bestand gehören noch die rechteckigen Gewölbevorlagen, die durch ihre Besetzung mit Eckstäben die spätromanische Goslarer Pfeilerform des mittleren 13. Jahrhunderts aufgreifen und sich nur in der Durchdringung mit einem ähnlichen Basisstab spätgotischen Formvorstellungen anpassen. Dagegen wurden um 1740 die ursprünglichen Kämpfer beseitigt und stattdessen barocke Pilasterkapitelle aufgesetzt. Über diesen Pfeilvorlagen war noch 1500 sicher eine Rippenwölbung, vielleicht mit Stern- oder Netzfiguration geplant gewesen, in den Auseinandersetzungen um die Einführung der Reformation anschließend aber wahrscheinlich nicht mehr zu Ausführung gekommen. Dafür wurde jetzt eine Kreuzgratwölbung zwischen spitzbogigen Gurten mit scharfkantig ausgeprägten Graten und Scheiteln eingezogen. Durch ihre Anlehnung an romanische Wölbungen stellt dieses einen bewussten Historismus des mittleren 18. Jahrhunderts dar, der 1754 beim Anbau der südlichen Chorsakristei in der Verwendung des Rundstabmotivs an der Gebäudekante noch einmal begegnet und die Erinnerung an die großen Goslarer Stadtpfarrkirchen des Mittelalters wachhalten sollte.

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