Lauretanische Litanei "Bilder der Hoffnung" - Gerd Winner

Grußwort von Pastor Ulrich Schmalstieg zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 12. Juli 2015 anlässlich der Liebenburger Kulturtage

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kunstfreunde!

Wiederholungen liegen uns modernen Zeitgenossen eigentlich nicht. Sie sind lästig, stehen einer schnellen Informationsaufnahme- und Weitergabe im Wege. Aufmerksamkeit einfangen, schnelle Ablesbarkeit dagegen, Eye-Catcher (=Blickfänge) sind gefragt. Verweilen, Stille, Langsamkeit - sie haben es ebenso schwer.

Im Rundfunk darf es keine längere Pause als die einer Minute geben, die ohne Signal bleibt. Der Hörer schaltet sonst um, vermutet, der Sender sei verstummt. - Können Sie noch still in Ihrer Wohnung sitzen, ohne dass irgendeine Hintergrund-Geräuschkulisse mitspielt? Ein weiteres Bedenken als Vorbemerkung - wie eine Weiterführung oder gar Wiederholung der Gedanken in der ök. Gottesdienstfeier:

Bilder und der Umgang mit ihnen im Raum unserer christlichen Religion sind gefährlich. Sie wollen und dürfen nicht selber Objekt der Verehrung werden. Immer dienen Sie der Vergegenwärtigung des Zieles unseres geistlichen Mühens, also des Absoluten, insbesondere beim Gebet, ob wir nun als Einzelne oder als Gemeinschaft zugegen sind. Wir sprechen deshalb auch besser von Zeichen. Sogar Altar, Ambo, Tabernakel und Kreuz, die primären Ausstattungsstücke unserer Sakralräume sind in diesem Sinne Zeichen, in denen sich die Präsenz Gottes mit bestimmten assoziativen Inhalten ausdrückt.

Trotz all der genannten Schwierigkeiten und wegen Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren

Gerd Winner zeigt ihnen als "Bilder der Hoffnung" Variationen,
leicht abgewandelte Wiederholungen,
er lädt Sie ein zum Verweilen,
Er konfrontieren Sie mit Bildern, die Zeichen sein wollen.
Variationen eines wiederkehrenden Motivs:
Maria - Mutter Gottes mit dem Jesuskind.

Incarnation - also Fleischwerdung des Wortes - und Erlösung - an der Stelle des sonst hier hängenden Kreuzweges.

Die Irritation ist einbezogen und sie dient der Vertiefung:

Mariens Weg und Jesu Weg, ist - wie unser Weg - ein echter Menschen-Weg.
Dabei oft auch ein Kreuzweg.
In der BEGEGNUNG von Liebe im Leid,
von DURCHKREUZUNG eigener Pläne und Ja-Wort aber
geschieht immer neu Mensch-werdung, geschieht Erlösung,
geschieht Annahme und Vergebung.

Gerd Winner zeigt uns 12 oder 10(?) Bilder aus einem umfangreichen Zyklus seiner Beschäftigung mit der Lauretanischen Litanei, einem der ganz alten Mariengebete unserer westlichen Christenheit. Er bevorzugte dabei im Werkprozess die alte Sprache der Anrufungen der Mutter Jesu aus dem Lateinischen.

Ausgangspunkt seiner Arbeit waren Fotos von herausragenden Marienskulpturen des 14. Jahrhunderts im Lothringischen Raum. Mittels der Siebdrucktechnik entstanden daraus Überblendungen verschiedener Motivansichten oder gar das Ineinanderfließen verschiedener Figuren zu einer neuen mehrsichtigen. Ale Bilder sind vielschichtig. "Dieses Bild vom Bild vom Bild vom Bild vom Bild..., dieses platonische Urbild, das bei Gott liegt, ist ständig das, was hinter meinen Bildern eigentlich evident wird", äußerte Winner in einem Gespräch (Unveröffentlichtes Interview über die Ausstellung "Urbane Strukturen" mit Pastor Ulrich Schmalstieg am 11. und 16.10.2007 in Liebenburg) über seine Arbeit. Es ist ihm in diesem Arbeitsverfahren sogar möglich, inhaltlich gedankliche Erweiterungen einzublenden: das Kreuz etwa schimmert an mancher Stelle hintergründig durch. Es mag erinnern an das Ja Mariens, das sie zu Gottes Willen in letzter Konsequenz gesprochen hat, oder auch an den unbeirrbaren Heilswillen Gottes, der schon in diesem unscheinbaren Anfang der Geburt des Kindes aufleuchtet.

Es geht Gerd Winner dabei nie um Illustration, etwa hier um eine erneute Abbildung der ansprechenden Marienfiguren, nein, er schafft jeweils neue Ansichten, die dabei gleichzeitig so etwas wie die Abbildung seines kreativen Umformungsprozesses vor dem Hintergrund der geistigen Beschäftigung mit den Anrufungen der Lauretanischen Litanei sind. Alle Bilder sind also auch Dokument eines zeitlichen Vorgangs, "eingefroren" in jeweils ein einzelnes Bild. In eigen Worten formuliert Gerd Winner: "Für mich gibt es hinter den Bildern immer eine zweite Wirklichkeit, eine zweite Realität, die natürlich spirituell ist."

Wir sind eingeladen
Zur Rück-Besinnung auf den Anfang unserer Heilsgeschichte,
zum Ausblick auf die Wiederkunft Christi.
Wir haben Gelegenheit umzuschalten
von schneller Informationsaufnahme
zu langsamer, nachhaltiger innerlicher Aufnahme
der uralten und doch immer unfassbar neuen Zusage:
Gott kommt zu - Dir,
Gott wird Mensch für - Dich,
Gott will Wohnung nehmen - in Dir,
will durch Dich zur Welt kommen.

Ich freue mich sehr, dass wir hier in Liebenburg die immer leichte Möglichkeit haben der Begegnung von Kunst in Kirche, von Kunstwerk und Kunstschaffendem.

Als Künstlerseelsorger möchte ich Ihnen eine intensive Aufnahme dieser Bildwerke in die eigene Seele wünschen, die ihrem Glauben neue Impulse als Freude tieferer Einsicht schenkt.

Nehmen Sie sich Zeit!

Ich danke Ihnen.

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