09. Februar 2018

„Alles Müller, oder …?“

... was? Es ging um die Orgel der Liebenburger Schlosskirche. Und das Interesse war erstaunlich.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Seit dem Beginn der Reihe „KulTourZeit am Mittwoch im  ist die Teilnehmerzahl von rund dreißig auf diesmal rund fünfzig gestiegen. So war Dr. Stefan Mahr aus Hildesheim auch hocherfreut über den Kreis der Interessierten, die er im Laufe seines „musikalischen Vortrags“ auch auf die Orgelempore einlud. Aber der Reihe nach:

Herr Mahr begann seine Vorstellung unserer „Dame“ aus dem Jahr 1760 mit der Orgelfantasie in g-moll von Joh. S. Bach. Danach spannte er im Wortteil den Entwicklungsbogen der Klänge von den Anfängen der Orgel in deutschen Breiten seit etwa dem Datum unserer Bistumsgründung (815) über den Barock und die Phase der Romantik bis in die Jetztzeit. Wechselnde Vorlieben von Spielern und Hörern forderten den Orgelbaumeistern eine ständige Bereitschaft zur Weiterentwicklung ab. Nun nahm uns der Orgelfachmann mit auf die Empore und ließ die alte  Dame selbst schnarren und näseln, wispern und schreien, indem er die Register einzeln und in Kombination erklingen ließ, so dass jeder gespannt und erheitert aufhorchte.

„So hatten wir sie noch nie gehört“, äußerte mancher im Anschluss mit Begeisterung im Gesicht. Klänge von Instrumenten der Renaissance wie Trompete, Oboe oder Traversflöte wurden von Conradus Joann Müller nachempfunden und mit den handgefertigten, auf die Raumgröße berechneten Pfeifen in Holz oder Metall spielbar. Die Prospektpfeifen, die nur etwa 20% der insgesamt vorhandenen bilden sind übrigens nicht aus purem Zinn, sondern wegen der Kosten nur dünn damit überzogen worden.

Die Müllers stammten nach derzeitigem Kenntnisstand ursprünglich aus St. Andreasberg und bildeten dann zwei Stränge, deren einer sich in den Niederlanden etablierte und aus dessen Nachkommenschaft der Erbauer der imposanten Orgel in Haarlem (St.-Bavo-Kirche) entstammt, der andere ließ sich in Hildesheim nieder. Wohl anfangs als reiner Tischlerbetrieb geführt, wurde mit der Zeit ein Spezialist für den Bau kleinerer Orgeln daraus.

In seinem Resümee stellte Mahr heraus, dass die Liebenburger Orgel in dem von J. G. Winck moderner und schwungvoller konzipierten Kirchenraum eine gewisse selbstbewusste Konservativität bezeuge. Dies zeige sowohl das Orgelwerk, in dem die Weitentwicklung der Klangmöglichkeiten eines Orgelbaus wie etwa durch Treutmann aus Magdeburg (Grauhof, 1734-37) ignoriert würden, als auch die Form des Prospektes, der z. T. hinter den Säulen der Empore verschwinde und die Schwingungen des Raumes nur ganz schüchtern widerspiegle.

Mit vier verschiedenen Interpretationen über den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ verabschiedete sich Herr Mahr und wir Zuhörer dankten es mit lautem Applaus.

In vierzehn Tagen, am 21. Februar, 18.30 Uhr wird Herr Dr. Bamberg aus Goslar (ehemaliger Kreisbaurat) im Liebenburger Pfarrheim die Raumplastik „Haus der Stille“ von Ingema Reuter und Gerd Winner vorstellen.

Fotos der Orgelführung können Sie sich hier anschauen.


Stadt - Land - Gott

Segeltörn 2018

Pfingsten in Goslar

Präventionsschulung

Facebook