18. März 2017

Als Christen gemeinsam Stellung beziehen

Evangelische und katholische Christen feierten in Bad Harzburg und in Goslar ökumenische Buß- und Versöhnungsgottesdienste.

Von Marco Koch - Die Bad Harzburger Christen feierten ihren ökumenischen Gottesdienst zeitgleich mit dem gemeinsamen Buß- und Versöhnungsgottesdienst der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland, in Goslar eine Woche später. Im Mittelpunkt stand dasselbe Thema: "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen".

In seiner Begrüßung machte Pfarrer Dirk Jenssen beide Male darauf aufmerksam, dass der Wille zur Profilierung in der Vergangenheit oft stärker war als die Suche nach Gemeinsamkeiten. "Heute wollen wir Gott um sein Erbarmen für das bitten, was wir einander angetan haben. Wir wollen Gott aber auch für das danken, was wir aneinander haben", sagte der leitende Pfarrer der Katholischen Kirche Nordharz.

In Bad Harzburg predigte Propst Jens Höfel in der Liebfrauenkirche

Der evangelische Propst Jens Höfel wies in seiner Predigt darauf hin, dass die Trennung der Kirchen auch heute noch schmerzvoll für Menschen sei, öffnete den Blick dann aber auf das, was sich schon tut: "Der Blick in unsere gemeinsame Geschichte, der Blick auf das, was uns bis heute trennt, ist oft beschämend. Darum bin ich umso dankbarer für das, was heute gemeinsam möglich ist, dankbar auch für das, was wir als Geschwister aneinander und voneinander haben. So ist es mir persönlich sehr wichtig, dass wir Evangelischen unser Reformationsjubiläum eben nicht nur für uns alleine feiern, sondern mit unseren katholischen Schwestern und Brüdern bedenken, was uns gemeinsam ist."

Darum, hob Propst Höfel hervor, sei er auch sehr froh über das, was evangelische und katholische Christen in Bad Harzburg schon gemeinsam machten - und das ganz selbstverständlich: So träfen sich die evangelischen und katholischen Theologinnen und Theologen regelmäßig auf dem "ökumenischen Sofa", um wichtige Themen zu besprechen. Die Seelsorge und die Gottesdienste in den Seniorenheimen und Kliniken, die Tobias-Gemeinschaft, die Gottesdienste zum Schulanfang und zum Martinstag und vieles andere mehr werde gemeinsam und im besten Sinn ökumenisch verantwortet. "Gemeinsam ist es uns wichtig, als christliche Kirche Stellung zu den Themen der Zeit zu beziehen, den Sprachlosen eine Stimme zu geben und da zu sein für die Menschen, die in dieser Stadt und darüber hinaus unsere Hilfe brauchen. Und auch bei unserem neuesten Projekt für bedürftige Menschen in Bad Harzburg, den Überlegungen zu einer gemeinsam verantworteten Lebensmittelausgabe, sitzen selbstverständlich Vertreterinnen und Vertreter aus allen evangelischen und katholischen Gemeinden der Stadt an einem Tisch."

Neben all den Gemeinsamkeiten, dürften wir aber auch nicht aus dem Blick verlieren, was uns unterscheide. Das Heilen der Erinnerungen sei nicht der Versuch, die Geschichte umzuschreiben. Darum gehöre es zu einem Blick in eine gemeinsam gestaltete Zukunft, zur Versöhnung, offene Fragen und bleibende Probleme zu benennen und auf eine Klärung zu drängen. Propst Höfel beendete seine Predigt mit der Hoffnung, dass wir uns gemeinsam vor Gott gestellt wüssten: "Auf ihn dürfen wir vertrauen, dass er uns unsere Sünden vergibt und uns die Kraft verleiht, einander zu vergeben. Auch die Heilung der Erinnerungen können wir nur von Gott erwarten."

Propst Gunkel erinnert an die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Beim Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der St.-Jakobi-Kirche in Goslar erinnerte Propst Thomas Gunkel in seiner Predigt an die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von Kardinal Cassidy (damals Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen) und Christian Krause (damals Präsident des Lutherischen Weltbundes) unterzeichnet wurde. Mit dieser Erklärung gelang es zum ersten Mal seit der Reformation eine gemeinsame Aussagen zu der Lehre machen, die ein Ausgangspunkt für die Kirchenspaltung war. Mit der gemeinsamen Erklärung wurden auch die Lehrverurteilungen, die sich auf die Rechtfertigungslehre beziehen, aufgehoben.

Auch wenn durch die gemeinsame Erklärung noch nicht die Einheit der Kirchen erreicht wurde, so hat die Arbeit an diesem Dokument gezeigt, wie es zukünftig gehen kann, weitere Schritte zu machen.

Lebhafte Gespräche im Anschluss

Im Anschluss an die Gottesdienste waren die Teilnehmenden noch zur Begegnung ins Pfarrheim bzw. ins Gemeindezentrum eingeladen. Lebhafte Gespräche über den Gottesdienst, über die Ökumene in beiden Städten und über die gemeinsamen Projekte zeigten, wie nah sich evangelische und katholische Christen sein können, wenn sie sich gemeinsam für das Evangelium einsetzen.


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