09. Juni 2018

Künstlerdialog in Bad Gandersheim

Mit "ON TOUR": Professor Gerd Winner und der veranstaltende Pastor Schmalstieg von der Künstlerseelsorge.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Bei bestem Ausflugswetter mit sanfter Brise startete am 6. Juni ein kleines Häufchen kulturinteressierter Gemeindemitglieder nach Bad Gandersheim. Ziel war die in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Gandersheimer Dom" mit seinen Festspielen gelegene katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Dort stießen wir auf weitere Interessierte der dortigen Kirchengemeinde.

Frau Adelheid Drewes und ihr Mann empfingen uns in großer Herzlichkeit. Es gab dank zeitiger Ankunft Gelegenheit zur Toilettenpause und anschließend ein erfrischendes Glas kühles Wasser. Im Ort hatten die beiden noch gut eine Handvoll Interessierter dazugewinnen können, so dass wir auf etwa ein Dutzend Teilnehmer kamen.

Das Ehepaar Drewes kann als der ausdauernde Motor des Bad Gandersheimer Kirchbaufördervereins angesprochen werden. Im Jahr 2004 hatten sie ihn zur Renovierung des seit der Erbauung etwas angestaubten Kirchenraumes gegründet. Dieser über 60 Mitglieder zählende Verein bringt mit stets neuen Aktionen Spenden zusammen und entwickelt damit den Kirchenraum nicht nur innen ansehnlich sondern beispielsweise auch am Zugang mittels automatischer Türöffner behindertengerecht weiter.

Frau Drewes stellte zusammen mit Gerd Winner sehr lebendig dar, wie es zu dem den Innenraum prägenden Marienbild von 6 x 4 m Größe gekommen war. Im Jahr 2008 war es rechtzeitig zur Wiedereinweihung durch Bischof Norbert Trelle fertiggestellt worden. Ein Potsdamer Betrieb war in der Lage gewesen, eine derart große Leinwand zu bedrucken. Künstlerisch inspirierender Ausgangspunkt waren für Gerd Winner Fotos von herausragenden Marienskulpturen des 14. Jahrhunderts im Lothringischen Raum gewesen, die Prof. Dr. Schmoll gen. Eisenwerth kunsthistorisch auf ihre Abhängigkeiten hin erforscht hatte. Mittels der von Winner ausgefeilten Siebdrucktechnik entstand daraus ein Werkzyklus "Madonna". Überblendungen verschiedener Motivansichten oder gar das Ineinanderfließen verschiedener Figuren führen zu einem völlig neuen mehrschichtigen und -sichtigen Bild. Das Kreuz etwa schimmert an mancher Stelle hintergründig durch, so wie bei dem für die Kirche verwendeten Bild die Dornenkrone mit der Krone Mariens verschmilzt und zugleich an eine Mandorla (Heiligenschein) erinnert.

Pastor Schmalstieg stellte schließlich den Kirchenraum in den großen baulichen Zusammenhang der deutschen und der hiesigen Bistumsentwicklung. St. Mariä Himmelfahrt war nach Plänen des Hildesheimer Architekten Regierungsbaurat Eustach Mänz (1907-75) errichtet worden und wurde am 14.5.1953 durch Generalvikar Wilhelm Offenstein (1936-1960) benediziert. Für die Denkmalpflege gilt sie nach Frau Dr. Maria Kapp (†) architektonisch als eine der wichtigen Bauten der frühen Nachkriegszeit (kapp, S. 33) und wurde schon 1994 samt Pfarrhaus in das niedersächsische Denkmälerverzeichnis aufgenommen. Schmalstieg verwies auf Ähnlichkeiten zu St. Konrad in Oker bzw. zu den Baugeschichten von Langelsheim und Othfresen.

Bevor wir in guter Stimmung die Rückfahrt antraten, ließen wir uns unter schattigen Bäumen eines gegenüberliegenden Eiscafés noch so manche sahnig-eisige Leckerei schmecken.


Katholische Kirche Nordharz bei YouTube

Präventionsschulung

Advent - Weihnachten

Stadt - Land - Gott

Facebook