Weltjugendtag? Kann man ja mal machen!

Eigentlich wollten Felicia (17) und Paula (20) mit der Gruppe der Katholischen Kirche Nordharz zum Weltjugendtag nach Krakau fahren. Weil sich aber nur fünf Jugendliche angemeldet hatten, schlossen sie sich der Gruppe des Bistums Hildesheim an. Gemeinsam mit knapp 200 Jugendlichen machten sie sich in vier Bussen auf den Weg nach Polen. Hier erzählen die beiden von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.

Paula: Meine Schwester war 2005 in Köln dabei. Da waren wir noch etwas jung (lacht). Aber ich habe von ihr und anderen gehört, dass es ein supertolles Erlebnis war: die Gemeinschaft, die vielen Menschen, die verschiedenen Nationen, die da zusammenkommen. Das fand ich schon cool, aber der Weltjugendtag ist ja leider nur alle paar Jahre und dann halt oft so weit weg. Da muss dann schon ein gewisses Budget zur Verfügung stehen, damit man z. B. nach Sydney oder Rio fliegen kann. Das ist nicht so nebenbei möglich. In diesem Jahr hat es sich dann angeboten, weil es Polen war, also gleich nebenan.

Felicia: Vor zwei Jahren waren Paula und ich bei der Ministranten-Wallfahrt nach Rom dabei und das hat uns total gut gefallen. Als ich die Ausschreibung zum Weltjugendtag bekam, habe ich gleich gedacht: "Ja, kann man ja mal machen. Der Weltjugendtag, das ist jetzt der nächstgrößere Schritt, um neue Erfahrungen zu sammeln." Erst danach habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was mich erwarten könnte.

Ich hatte Lust, dieses Gefühl zu verspüren, mit so vielen Menschen auf dem Platz zu stehen, die alle an das Gleiche glauben, während man hier im Alltag eher gewohnt ist, ein bisschen schräg angeguckt zu werden. Das war da dann auch total vergessen.

Paula: Auf der Rom-Wallfahrt haben wir uns erst richtig kennengelernt. Wir kannten uns zwar schon vorher, aber die Freundschaft ist da erst entstanden.

Gastfreundschaft bei den Tagen der Begegnung

Kurz nach der Anreise in Czchów erhielten wir unser Gepäck und warteten darauf in die Gastfamilien aufgeteilt zu werden.
Das erste Zusammentreffen von Deutschen auf die Polen vor der Kirche in Czchów.
Unsere Gastfamilie mit unseren Gastschwestern Monika und Anja.
Überblick über das Dorf Wojakowa, in dem Felicia und ich untergebracht waren.
Am Samstag pflanzten wir zwei Eichen auf den Freidhof in Wojakowa.

Felicia: Vor dem eigentlichen Weltjugendtag in Krakau fanden von Mittwoch bis Montag die Tage der Begegnung statt. Die Hildesheimer Gruppe hat diese Zeit in Gemeinden im Bistum Tarnów verbracht. Die Jugendlichen in unserem Bus waren in Familien untergebracht, die in mehreren kleinen Orten in der Nähe von Czchów lebten.

Paula: Ich fand das super, dass wir nicht gleich alles mit dieser Riesengruppe gemacht haben. So hatten wir erstmal unsere kleine Gruppe in unserem Dorf. Das Leben dort war sehr ländlich. Das fand ich total schön, so naturnah, große offene Grundstücke ohne Zäune, mit Blick über die Berge. Bei einer Familie standen zwei Kühe im Vorgarten, bei einer anderen liefen die Hühner vor dem Haus herum. Morgens wurden wir von einem Hahn geweckt. Das kennt man hier in Deutschland gar nicht mehr. Da stand das Vieh einfach herum, jeder hatte seine eigene Milch - und hier gibt es die Massentierhaltung.

Felicia: Morgens sind wir aus unserem Dorf mit Kleinbussen nach Czchów gefahren worden. Da waren so 40 Kilometer. Dort begann der Tag mit einer Morgenandacht. Ein paar Lieder wurden gesungen... Das war fast alles auf Polnisch, aber einige Teile auch auf Deutsch.

Paula: In den Messen wurden die Lesungen oder das Evangelium auch auf Deutsch vorgelesen. Und bei den Fürbitten haben sie es dann oft gesplittet: eine Hälfte auf Polnisch und die andere auf Deutsch.

Felicia: Und dann hatten die Gastgeber ein Programm vorbereitet: Wir sind einen kleinen Pilgerweg gegangen oder haben eine Bootstour gemacht. Am Ziel gab es dann ein Drei-Gänge-Menü in einem Restaurant.

Paula: Zwischendurch gab es immer noch Snacks. Von der Gastfamilie waren wir wirklich sehr, sehr gut verpflegt. Die haben uns noch Lunch-Pakete mitgegeben. Das war nicht zu schaffen.

Felicia: Das stimmt. Morgens gab es Frühstück in der Familie, dann das Lunch-Paket, zwischendurch noch einen Imbiss von den Organisatoren, dann das offizielle Mittagessen, das Abendessen bei den Veranstaltungen - und wenn man dann in die Gastfamilie kam, gab es noch Suppe...

Paula: Wenn wir abends zurück in die Familie kamen wurden wir gefragt: "Habt Ihr noch Hunger?" Wir: "Nein, eigentlich nicht." "Aber Mama hat schon etwas vorbereitet." "Naja, okay!" Wir wollten ja nicht unhöflich sein und haben die auch noch gegessen.

Felicia: Abends kam man dann zusammen, hat gemeinsam gegrillt, Lieder gesungen, getanzt.

Paula: Es gab auch so ein Jugendfestival, wo Bands gespielt haben und alle gemeinsam zu polnischen Lieder getanzt haben. Mit den Jugendlichen dort haben wir hauptsächlich englisch gesprochen - oder mit Händen und Füßen.

Felicia: Die beiden Töchter unserer Gastfamilie waren 17 und 18 Jahre alt. Die eine konnte ungefähr so gut englisch sprechen wie wir. Es war auch nicht so, dass man nicht wusste, was man sagen soll. Wir haben viel gelacht, z. B. wenn einer eine Vokabel nicht kannte. Es war total locker. Im Notfall ging es dann über den Handyübersetzer.

Paula: Mit den beiden Mädchen haben wir alles zusammen gemacht. Überhaupt haben uns die polnischen Jugendlichen fast überall hin begleitet; die haben alles mitgemacht.

Felicia: Einen Tag hieß es, man macht etwas in seinem kleinen Ort. Uns wurde die Gemeinde vorgestellt und dann haben wir mit dem Pfarrer rechts und links von der Friedhofskapelle zwei Eichen gepflanzt. Die Kapelle war ziemlich prachtvoll, so sehen bei uns nicht mal die Kirchen aus. Eigentlich sollten wir an diesem Tag etwas für die Gastgeber machen, aber das haben sie uns abgenommen.

Paula: An einem Tag haben sich alle Weltjugendtags-Teilnehmer getroffen, die im Bistum Tarnów waren: Deutsche, Österreicher, Franzosen, Italiener, Slowaken. Ungefähr 10.000 Jugendliche kamen da zusammen.

Gänsehautgefühl beim Weltjugendtag

Auf dem Pilgerweg durch Krakau.
Ziel des Pilgerweges und heilige Messe in der Kirche (rechts im Hintergrund).
Eröffnungsmesse auf der Boloniawiese in Krakau - leider bei trübem Wetter.
Der Pilgerweg zur Vigilfeier am Samstagnachmittag.
Mit schwerem Gepäck ging es durch die Menge - etwa 6 Kilometer weit.
Die Straße vor uns voller Menschen aus den verschiedensten Nationen.
Endlich in unserem Sektor auf dem großen Platz angekommen, wurden die ersten Isomatten ausgerollt.
Am Abend lauschten wir über das Handyradio den Worten des Papstes bei der Vigilfeier.

Felicia: Am Montagmorgen sind wir dann mit dem Bus nach Wiśniowa gefahren, das liegt 40 Kilometer südlich von Krakau.

Paula: Da sind wir mit der ganzen Hildesheimer Gruppe in einer Grundschule untergekommen...

Felicia: ...und hatten das Glück, dass wir in den Klassenräumen untergebracht waren. In unserem Zimmer waren wir nur 14. Bei der Gruppe aus dem Bistum Hamburg mussten alle zusammen in der Turnhalle schlafen.

Am Dienstag war dann ja der Eröffnungsgottesdienst in Krakau, aber den haben wir verpasst, weil wir in Wiśniowa geblieben sind. Dort gab es keine Tage der Begegnung und darum hatten sie eine Bühne aufgebaut, auf der Theaterstücke aufgeführt wurden und ein Orchester gespielt hat. Außerdem wurde Zumba angeboten, gegrillt... Es war ein schönes Zusammensein und die haben sich total gefreut.

Paula: Mittwoch, Donnerstag und Freitag sind wir dann immer nach Krakau reingefahren.

Felicia: Erst hatten wir noch die Katechese in Dobczyce. Das ging von 9.00 bis 11.00 Uhr. Anschließend war dann noch Gottesdienst und Mittagessen.

Paula: In Krakau konnten wir uns dann in Dreiergruppen in der Stadt bewegen. Für das Abendessen hatten wir Gutscheine, die wir in bestimmten Restaurants oder an Ständen einlösen konnten. Dafür gab es sogar eine App, in der alle teilnehmenden Restaurants zu finden waren.

Felicia: Aber die haben wir uns nicht heruntergeladen. Das kostet ja auch Datenvolumen und wir haben uns gedacht, dass wir auch so etwas finden. Das hat am Anfang nicht so gut geklappt.

Paula: Wir sind dann in jedes Restaurant rein, aber immer hieß es "No!"

Felicia: Wenn man dann wusste, wo man hingehen kann, war es aber okay. Dann ging es schnell und das Essen war auch nicht schlecht.

Paula: Von Krakau haben wir gar nicht so viel zu sehen bekommen. Durch die Menge an Menschen haben die Wege oft mehr Zeit gekostet, als wir dachten. Deshalb haben wir dann am Freitag den Kreuzweg verpasst und uns die Stadt angeschaut.

Am Donnerstag ist der Papst in Krakau angekommen. Das war die erste richtige Großveranstaltung. Auf der Wiese hatten wir Sektoren zugewiesen bekommen. Der Zutritt war nur mit Eintrittskarte möglich. Über einen Radiosender wurde alles auf Deutsch übersetzt.

Am Samstag ging es dann richtig los, aber leider haben wir von der Bühne nichts gesehen.

Felicia: Bei der Romwallfahrt der Ministranten standen wir an einem Zaun, an dem ist der Papst direkt vorbeigefahren. Jetzt war es so, dass wir ganz weit entfernt ein Blaulicht gesehen haben und dachten: "Hm, das könnte der Wagen sein, der hinter dem Papst herfährt." Wir konnten alles nur auf den großen Leinwänden verfolgen. Das war teilweise so, wie vor einem großen Fernseher.

Aber es gab trotzdem so Momente, die mich richtig berührt haben, z. B. als bei der Vigil alle die Kerzen angezündet haben.

Paula: Da wurde es auf einmal richtig still. Oder als der Papst seine Predigt gehalten hat, da habe ich gemerkt, dass ich jetzt live dabei bin... Das war schon so ein Gänsehautgefühl.

Felicia: Die Nacht auf dem Feld war dann besser als erwartet. Ich konnte fast durchschlafen.

Paula: Wir hatten natürlich auch Superglück mit dem Wetter: Es war warm und sternenklar. Nur die Züge, die im Viertelstundentakt am Gelände vorbeigefahren sind, haben genervt. Jedes Mal haben sie getutet.

Felicia: Am Morgen wurde es dann ziemlich schnell ziemlich heiß.

Paula: Und dann der Abschlussgottesdienst. Das hat sich echt gelohnt. Das Gefühl dabei kann ich eigentlich gar nicht beschreiben. Was ich echt beachtlich fand, dass alle die Kommunion bekommen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Priester aus allen Nationen standen in der Menge und haben die Kommunion ausgeteilt. Man konnte sie an den weißen Schirmen erkennen. Das war gut organisiert.

Felicia: Mich hat besonders das Gemeinschaftsgefühl beim Singen beeindruckt. Nach fast einer Woche in Polen kannte man schon viele Lieder - größtenteils auf Polnisch - auswendig. Auf dem ganzen Feld wurde das Mottolied des Weltjugendtages mitgesungen.

Paula: Als der Papst uns dann angesprochen hat und was er gesagt hat - es wurde keine Sekunde langweilig. Es hat jeden angesprochen. Schön fand ich, als er sagte, dass wir Jugendlichen wagen müssen zu träumen, auch wenn es schwierig ist, diese Träume zu realisieren. Er hat das mit Jesus verglichen, der auch oft gefallen ist - und immer wieder aufstand. Da habe ich an mein Leben gedacht. Ich habe beruflich gesehen auch ziemlich hohe Träume und frage mich immer wieder, ob ich das jemals hinbekommen werde. Die Worte des Papstes waren für mich ein Anstoß, dass ich mir sage "Okay, da musst du weiter dranbleiben" weil Gott immer da ist und auch mir aufhilft.

Felicia: Ich fand es gut, dass der Papst nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern die Dinge direkt angesprochen hat. Er hat uns zugerufen, dass wir Jugendlichen vom Sofa hochkommen sollen, dass wir rausgehen und etwas erreichen sollen.

Paula: Ja, dass wir nicht so gelangweilt sein sollen.

Felicia: Und zwischendurch hat er immer wieder gefragt: "Wollt Ihr das?" - und alle haben "Ja!" gerufen. Das hat mich schon mehr berührt, als wenn er es einfach so runtergeleiert hätte. Und er hat uns aufgefordert, zu unserem Glauben zu stehen. Das hat mich schon gestärkt. Als glaubender Mensch zweifelt man ja schon manchmal an sich selbst und hat das Gefühl, dass einen viele andere komisch angucken. Man denkt "Okay, ich bin katholisch.", man geht sonntags in die Kirche, aber man steht nicht so richtig dazu. Aber beim Weltjugendtag waren 1,5 Millionen Menschen, denen es genauso geht; also sagt man sich: "Es kann mir doch egal sein, was die anderen sagen."

Paula: Ich weiß nicht, ob sich damit in meinem Leben auf Dauer etwas verändert, aber es hat mich auf jeden Fall bestärkt. Oft kommen ja komische Blicke oder blöde Sprüche, aber das ist mir jetzt egal. Das Miteinander beim Weltjugendtag macht Hoffnung, dass es auch anders geht. Und die anderen wissen gar nicht, was sie verpassen. Ich musste mir Urlaub nehmen, um zum Weltjugendtag zu fahren. Für viele andere ist es so, dass sie sagen: "Ich fahr lieber nach Malle und feiere da mit Freunden." Beim Weltjugendtag habe ich wirklich eine krasse Gemeinschaft erlebt: Man ist mit vielen Leuten da, lernt viele neue Leute kennen und dieses partymäßige, das da ganz ohne Alkohol stattfindet, ist etwas ganz Besonderes. Wenn man durch die Straßen gegangen ist, haben alle Lieder gesungen - naja, manchmal eher gegrölt, wie man es sonst nur vom Fußball kennt. Oder man läuft durch die Straßen und klatscht die anderen Gruppen ab, macht ein Selfie mit jemandem, den man gar nicht kennt. Der Unterschied ist, dass der Glaube der Hintergrund ist. Das ist eine total coole Sache.

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