24. Dezember 2019

Das Geheimnis des letzten Platzes

Pater Cyriac Chandrankunnel hat sich Gedanken darüber gemacht, was die Menschwerdung Gottes für die Verlierer unserer Welt bedeutet.

Gibt es ein anderes Fest als Weihnachten - die Menschwerdung des Sohnes Gottes - das die ganze Welt ohne Unterschied unter den Nationen, Kulturen Rassen und Völkern verbindet und feiert? Die Botschaft der Weihnacht kennt keine Grenzen, weil alle Menschen gemeint sind.

"Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll" (Lk 2,10). Diese Botschaft des Engels geht um den Erdball, die uns Menschen betrifft: Gottes Sohn ist Mensch geworden. Gott selber ist in seinem Sohn Jesus Christus in diese Welt hinabgestiegen, um unserem Leben eine einzigartige Würde zu schenken. Gott nimmt uns Menschen an, er identifiziert sich mit uns und gibt uns eine unnachahmliche Würde. Es ist unvorstellbar und unbegreiflich in einer Welt, wo Menschen sich untereinander verletzen, verachten und ausbeuten!

"Und das soll euch als Zeichen dienen. Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt" (Lk 2,12). Suchende und fragende Menschen finden und erfahren Zeichen und Spuren Gottes in der Welt. Der allmächtige Gott - in einer Krippe geboren! Das ist der Platz Gottes in der Welt - die Krippe im Stall, draußen vor der Stadt. Es ist der letzte Platz. Diesen Platz hat er angenommen, damit er all denen nahe ist, die ebenfalls draußen sind und in der Gesellschaft keinen angemessenen Platz haben: die Hirten, die Sünder, die Aussätzigen, die Geistesgestörten, die unheilbar Kranken... Er verwandelt ihr Draußen, in ein Drinnen. Das ist eine Hoffnung für alle Randexistenzen, die abgeschrieben und abgestempelt sind.

Wenn Gott in Jesus Christus den letzten Platz in der Welt einnimmt, dann gibt es nicht nur Frieden für die Erfolgreichen und Sieger, sondern auch für die Verlierer, nicht nur für die Leistungsträger unter uns, sondern auch für die, die immer an der Grenze des Existenzminimums leben.

In der Krippe im Stall finden wir das Wunder von Weihnachten, dass Gott in unserer Welt da ist, wo die letzten Plätze sind. Da schenkt er Frieden - Frieden, den wir selbst nicht herstellen können. Dieses Wunder und diese Gnade erleben die Kranken in ihren Schmerzen und Ängsten. Jesus ist in ihre Not, in ihr Elend hineingekommen, nicht als Held, sondern als Leidender und "ein Mann voller Schmerzen" (Jes 53,3). Dieses Wunder erleben jene, die an Gott irre geworden, keinen Sinn mehr im Leben sehen und keinen Ausweg mehr finden und verzweifeln. Jesus ist in das Reich des Todes hinabgestiegen, damit keiner verloren geht.

Weihnachten sagt uns: In Jesus, der in der Krippe geboren ist, ist für jeden Menschen, für alle Völker dieser Erde, der von Gott verheißene und von ihm gesandte Retter erschienen. Durch sein Leben, seine Worte und seine Taten hat er bewiesen, dass er Herr und Gott über Krankheit, Sünde und Tod ist. Er kann uns aus der Macht des Bösen befreien und er führt uns aus dem Reich des Todes in das Reich des Lebens. Er ist der Retter und das Heil der Welt. Durch seine erste Ankunft - die Menschwerdung - begann er die letzte Vorbereitung zur Vollendung der Rettung der ganzen Schöpfung. Als Retter und Erlöser wird er wiederkommen, um unsere Rettung zu vollenden.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir in unseren Sorgen, Nöten und Ängsten im alltäglichen Leben, wenn Gott schweigt oder nur leise Worte spricht, aus der Kraft dieser Zusage leben können: "Du bist nicht allein. Ich bin da. Heute ist dir und mir, heute ist der ganzen Welt der Retter geboren".


Wanderreise_Israel 2020

Ausstellung "Augen auf!"

Präventionsfortbildung

Stadt - Land - Gott

Facebook