25. September 2018

"Die Betroffenen haben das getan, was wir als Kirche hätten tun müssen."

Bischof Heiner Wilmer äußert sich zur bundesweiten Studie über das Ausmaß sexualisierter Gewalt in der Kirche.

Von Marco Koch - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat sich der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer an die Menschen im Bistum und an die Öffentlichkeit gewandt. Beide Male ging es um die bundesweite Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.

In seiner Videobotschaft findet der Bischof deutliche Worte: "Männer Gottes haben das Böse in die Welt gebracht", sagt er und fügt hinzu, dass die Kirche bei ihrer Aufgabe, den Betroffenen in jedem Augenblick Geborgenheit und Schutz zu gewähren, versagt habe. "Zu oft haben wir es unterlassen, den Opfern zu glauben und weiteres Unrecht zu verhindern. Zu oft haben wir es versäumt, die Täter anzuzeigen und aus dem Verkehr zu ziehen. Zu oft haben wir weggeschaut und eine fragwürdige Kultur des Schweigens gepflegt.

Es waren in den allermeisten Fällen Betroffene, die sich an die Öffentlichkeit gewandt haben. Dazu gehören enormer Mut und Überwindung. Ich zolle diesen Menschen meinen allergrößten Respekt. Und ich bin ihnen sehr dankbar. Sie haben das getan, was wir als Kirche hätten tun müssen.

Ich möchte es deutlich sagen: Wir dienen unserer Kirche nicht, wenn wir die schrecklichen Verbrechen kleinreden und beiseiteschieben, für die wir die Verantwortung zu tragen haben. Wir dienen ihr nur, wenn wir uns klar und offen zu der Schuld bekennen, die auf uns lastet. Denn nur mit der Wahrheit - und sei sie noch so bitter - können wir in die Zukunft schauen."

Am Ende seiner Botschaft bittet Bischof Heiner um Verzeihung und lädt Betroffene und Angehörige zum persönlichen Gespräch ein: "Wenn Menschen gewillt sind, mit mir als Bischof über das Grauen zu sprechen, das ihnen auf der Seele lastet, dann werde ich das tun. Diese Einladung gilt immer. Ganz gleich, ob jemand nach drei Monaten oder drei Jahren das Bedürfnis hat, mich zu treffen. Ich bin bereit dazu.

Zuhören möchte ich auch den Menschen im direkten Umfeld der Betroffenen – sei es in der Familie, in der Pfarrgemeinde oder anderswo. Wer sich um Menschen kümmert, dessen Seelen verwundet sind, benötigt oft selbst Beistand. Auch diesen Menschen sind wir verpflichtet.

Als neuer Bischof versichere ich: Wir werden alles tun, um sexualisierte Gewalt zu bekämpfen. Wir werden Betroffenen helfen. Und wir werden immer geöffnete Herzen und offene Ohren haben."

Die Videobotschaft anschauen können Sie hier auf der Seite des Bistums Hildesheim. Dort steht auch ein pdf-Dokument mit dem Wortlaut zum Download zur Verfügung.

Foto: Screenshot der Videobotschaft von Bischof Heiner Wilmer


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