Die nächste Station auf meinem Lebensweg
900 Kilometer, 7 Wochen. So lange war ich 2024 auf dem Jakobsweg unterwegs. Diese Zeit des Pilgerns hat mir eine neue Perspektive auf mein Leben gegeben. Nun geht es als Pastoralassistentin hier im Nordharz weiter.
Mit dem Bild des Pilgerns möchte ich mich gerne vorstellen: Mit wichtigen Lebensstationen und mit dem, was mir in und an Kirche wichtig ist.
- Pilgern beginnt vor der eigenen Haustür. Geboren bin ich in Heilbronn im Schwabenländle und auch in dieser Gegend aufgewachsen.
- Auch Umwege gehören dazu. Nach dem Abitur ging ich nach Göttingen, um Mathematik und Politik auf Lehramt zu studieren. Hier lernte ich das Bistum Hildesheim kennen und hatte Freude am Engagement in der khg und der Pfarrei St.Michael. Kirche war der Ort des Ausprobierens, des Wachsens und der Gemeinschaft.
- Man muss der Sehnsucht folgen. Mein erstes Studium war trotz aller Bemühungen eher fruchtlos. Mit der Zeit reifte der Gedanke, Theologie zu studieren und für die katholische Kirche zu arbeiten. Dafür ging es ganz in den Süden, nach Freiburg. Theologie war die richtige Wahl - ich hatte viel Interesse an den Themen und sah direkt die Relevanz für mein Leben. Mein letztes Semester verbrachte ich in Irland.
- Beim Pilgern ergibt sich eine besondere Weggemeinschaft. Während des Studiums habe ich eine Fortbildung zur Geistlichen Begleitung von jungen Menschen gemacht, eine spezialisierte Form der Seelsorge. Mithilfe dieses Kurses habe ich zwei Mal Schweigeexerzitien begleitet, also den Rahmen geschaffen, um das eigene Leben und den persönlichen Glauben zu reflektieren.
- Pilger der Hoffnung: Meine Abschlussarbeit schrieb ich über Hoffnung in Krisenzeiten, sowohl mit philosophischen Gedanken als auch mit Erkenntnissen aus Interviews. Mein Fazit: Hoffnung fällt nicht einfach vom Himmel, sondern ist ein Zusammenspiel aus eigenem Bemühen und Unverfügbarem, das sich lohnt.
- Bericht eines Pilgers: In Göttingen hatte ich die Jesuiten kennengelernt, die mir mit ihrer Spiritualität, den Tagesrückblicken und den Schweigeexerzitien sowie dem Gedanken, Gott in allen Dingen zu finden, sehr ans Herz gewachsen sind.
- Rast auf dem Weg: So beschreibt Romano Guardini Gastfreundschaft. Für mich ist diese eine der zentralen Haltungen von Kirche. Entsprechend sollen Offenheit für verschiedene Wege, sichere Räume und stärkende Rituale das Miteinander prägen.
- Das Schwere annehmen: Zum Pilgern gehören körperliche und seelische Strapazen. Auch unsere Kirche und unser Miteinander steht vor Herausforderungen. Aus der Erfahrung des Pilgerns weiß ich um ihre Bedeutung für den Weg und möchte weder vor ihnen zurückschrecken, noch sie beschönigen. Stattdessen möchte ich mich mal mutig, mal feinfühlig und mal ausharrend dem Schweren stellen.
- Den Zeichen folgen: Leider gibt es im Leben nicht so klare Richtungsweiser wie beim Pilgern. Aber wenn man achtsam ist für das, was um einen und in einem geschieht und auch als Gemeinde immer wieder innehält, um sich nach dem richtigen Weg zu fragen, kann man der Spur Gottes nachspüren.
Beim Pilgern gilt es, neugierig und mit offenem Herzen dem zu begegnen, was der Weg einem zeigt. Mit dieser Haltung möchte ich Ihnen und Euch begegnen und mir zeigen lassen, wie hier Gott erfahren wird und wo Gott vermisst wird, welche Orte und Zeiten heilig sind, was Gemeinschaft hier stärkt und ausmacht. Ich freue mich, wenn Sie und Ihr mir den Nordharz durch Eure und Ihre Augen zeigt.
Ich freue mich auf die gemeinsamen drei Jahre,
Lisa-Marie Seeger






