02. Februar 2019

Ein Weidenkorb voller Gedichte

Georg Oswald Cott eröffnet die „Literarischen Abende“ in Liebenburg.

Von Paul-Josef Raue (Journalist, Wolfenbüttel) - Der Dichter kam mit einem Weidenkorb nach Liebenburg, darin keine Äpfel, sondern Gedichte - auf weißen Zetteln mit dunkler Tinte geschrieben, zusammengerollt und mit grünen und roten Wollfäden gehalten: Handarbeit für die Poesie; der Preis: Ein Lächeln. Georg Oswald Cott, in Salzgitter vor 87 Jahren geboren, eröffnete die neue Themen-Reihe "Literarischer Abend" im Pfarrheim.

Cott macht es seinen Zuhörern leicht, nach einem langen Arbeitstag Gedichten zu lauschen: Er wiederholt die Überschrift oder die erste Zeile eines Gedichts, fällt also nicht mit den Tür ins Haus, sondern öffnet sie leise. Die Verse spricht er, als zögere er und überlege, ob er sie noch schnell verändern wolle.

Es sind erzählende Gedichte, die um Tiere kreisen, vom Wal bis zum Glühwürmchen; um Menschen, von Tilly, dem schwedischen Feldherrn im Dreißigjährigen Krieg, bis zu den Brockenhexen am Blocksberg; um Jahreszeiten und Landschaften kreisen sie - und immer wieder um Orte an der alten Grenze: Marienborn und Zicherie und Mattierzoll.

Die alte Grenze mitten durch Deutschland ist sein Leit-Thema: "Westostelbische Gedichte" ist einer der Titel seiner schmalen Gedichtbände oder "Blindweg nach Klötze"; von diesem Band, mit der Hand gesetzt und auf schwerem Papier gedruckt, gibt es nur 120 Exemplare. Cott erzählt von seinem Weidenkorb mit den Gedichten, die ein Grenzer in seinem Wagen entdeckt und nach Telefonaten mit seinen Magdeburger Vorgesetzten konfisziert. Das Beschlagnahme-Protokoll besitzt er immer noch.

Cott entführt seine Zuhörer auch in die Ferne und erzählt: In Weißrussland druckt ein katholischer Verlag seine Gedichte; Pfarrer Schmalstieg schenkt er ein Magazin, in dem seine Gedichte veröffentlich sind, ins Russische übersetzt; in China trifft er den Dichter Gong Li, der ihm ein Gedicht schenkt: "Lessings Grab - Müde geworden / nach der Durchquerung Chinas / ich stehe an Lessings Grab." In Braunschweig treffen sich die Dichter wieder - an Lessings Grab auf dem Magni-Friedhof. Und Cott erzählt in Liebenburg von Lessings letzter Reise von Wolfenbüttel nach Braunschweig, der Reise eines Sterbenden.

Pfarrer Ulrich Schmalstieg, mit Gerd Winner Organisator der "KultTourZeit am Mittwoch", war überrascht, dass es keine freien Stühle mehr gab bei des Dichters Lesung; er kündigte für den Herbst eine Fortsetzung der "Literarischen Abende" an.

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Das stand auf dem Zettel, den ich mir aus dem Korb genommen hatte (weil der Wollfaden so schön orange glänzte):

Auswendig gelernt
wuchs den Wörtern
ein Schweißrand

Er verlor sich
sobald ich
zu fabeln begann

Georg Oswald Cott


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