14. März 2026

Entwaffnen

Pastoralassistentin Karolin Fischer wirft in ihrem Wort zum Sonntag einen Blick auf die Weltpolitik.

von Karolin Fischer - „Entwaffnend“; das ist eines meiner Lieblingsworte, an das ich zurzeit wieder häufig denken muss. In der Regel beschreibt es, dass jemand im Streit plötzlich die Gegenseite auf dem falschen Fuß erwischt - nicht durch Aggression, sondern durch „ein entwaffnendes Lächeln“ oder „entwaffnende Ehrlichkeit“. Der andere hat so fest mit einer aggressiven Gegenreaktion gerechnet und womöglich schon die sprichwörtliche Faust in der Tasche geballt – und plötzlich wird er einfach durch Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Friedfertigkeit überrascht.
Entwaffnung ist auch ein Wort, das auf der großen Weltbühne wieder sehr relevant geworden ist: Russland will die Ukraine entwaffnen, die Hamas im Gazastreifen soll entwaffnet werden, der Iran soll seine Atomwaffen verlieren.
Die Mittel, die dafür gewählt werden, sind in der großen Weltpolitik meist dieselben: Druck, Gewalt und Krieg: das Böse soll mit Bösem bekämpft werden, damit danach das Gute regieren kann. Dass das nicht funktionieren kann, zeigen nicht nur die vielen gescheiterten „Regime Changes“ in der Geschichte der amerikanischen Außenpolitik.
Auch wir Christ:innen haben eine andere Idee von „Entwaffnung“ in unsere DNA eingeschrieben bekommen: Im letzten Teil des Briefes von Paulus an die Römer – eine der wichtigsten Quellen für christliche Ethik – heißt es unmissverständlich: Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute! (Kap. 12, Vers 21)
Mir macht es Mut zu sehen, dass wir nicht wehrlose Opfer sein sollen. Der Auftrag ist klar: nicht „bekämpfe das Böse“, sondern „besiege das Böse“. Da scheint sich jemand sehr sicher zu sein, dass die dann folgende Strategie auch zu „Sieg“ führen wird.
Diese Stimme aus dem Römerbrief wünsche ich mir deutlicher und lauter in den aktuellen Debatten: den Glauben daran, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird und die feste Überzeugung, dass Böses nur mit Gutem besiegt werden kann.
Ich denke, dass sich Christ:innen und alle, die diese Überzeugung teilen, sich gerade jetzt wieder besonders deutlich in die Debatten über Geopolitik, Gewalt und „Entwaffnung“ einmischen müssen: „Lassen wir uns nicht vom Bösen besiegen, nicht immer weiter in die Spi-rale von Gewalt, Aufrüstung und Gegengewalt hineinziehen, sondern besiegen wir das Böse durch das Gute!“ Was dieses „Gute“ sein kann? Das zu beantworten ist bestimmt nicht leicht. Es wäre sicher eine lohnende Frage für Debatten, Talkrunden und Kneipendiskussionen.
Das alles klingt naiv? Böses mit Bösem zu bekämpfen ist gescheitert. Wäre es dann nicht doch Zeit für einen Kurswechsel?

Bild: pfarrbriefservice.de


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Entwaffnung ist auch ein Wort, das auf der großen Weltbühne wieder sehr relevant geworden ist: Russland will die Ukraine entwaffnen, die Hamas im Gazastreifen soll entwaffnet werden, der Iran soll seine Atomwaffen verlieren.
Die Mittel, die dafür gewählt werden, sind in der großen Weltpolitik meist dieselben: Druck, Gewalt und Krieg: das Böse soll mit Bösem bekämpft werden, damit danach das Gute regieren kann. Dass das nicht funktionieren kann, zeigen nicht nur die vielen gescheiterten „Regime Changes“ in der Geschichte der amerikanischen Außenpolitik.
Auch wir Christ:innen haben eine andere Idee von „Entwaffnung“ in unsere DNA eingeschrieben bekommen: Im letzten Teil des Briefes von Paulus an die Römer – eine der wichtigsten Quellen für christliche Ethik – heißt es unmissverständlich: Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute! (Kap. 12, Vers 21)
Mir macht es Mut zu sehen, dass wir nicht wehrlose Opfer sein sollen. Der Auftrag ist klar: nicht „bekämpfe das Böse“, sondern „besiege das Böse“. Da scheint sich jemand sehr sicher zu sein, dass die dann folgende Strategie auch zu „Sieg“ führen wird.
Diese Stimme aus dem Römerbrief wünsche ich mir deutlicher und lauter in den aktuellen Debatten: den Glauben daran, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird und die feste Überzeugung, dass Böses nur mit Gutem besiegt werden kann.
Ich denke, dass sich Christ:innen und alle, die diese Überzeugung teilen, sich gerade jetzt wieder besonders deutlich in die Debatten über Geopolitik, Gewalt und „Entwaffnung“ einmischen müssen: „Lassen wir uns nicht vom Bösen besiegen, nicht immer weiter in die Spi-rale von Gewalt, Aufrüstung und Gegengewalt hineinziehen, sondern besiegen wir das Böse durch das Gute!“ Was dieses „Gute“ sein kann? Das zu beantworten ist bestimmt nicht leicht. Es wäre sicher eine lohnende Frage für Debatten, Talkrunden und Kneipendiskussionen.
Das alles klingt naiv? Böses mit Bösem zu bekämpfen ist gescheitert. Wäre es dann nicht doch Zeit für einen Kurswechsel?

Bild: pfarrbriefservice.de


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