19. Februar 2022

Goslarer Dom lockt

Beim Vortrag von Dr. Ludwig Bamberg war die Liebenburger Schlosskirche wieder ausgebucht.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Für die Verantwortlichen der Reihe „KulTourZeit am Mittwoch“ in Liebenburg war es eine positive Überraschung: Trotz des beginnenden Sturmes war die Schlosskirche wieder voll ausgebucht. Nur ein Ehepaar aus Hildesheim hatte wetterbedingt abgesagt. Und der Abend sollte sich lohnen. Denn Dr. Ludwig Bamberg gewährte einen tiefen Einblick in seine Quellenforschung zur Stiftskirche Heinrichs III., die nun im Frühjahr als Buch erscheinen soll.

Schon zu Beginn seiner Ausführungen machte der Referent deutlich, wie verwunderlich es sei, dass man diesem bedeutungsvollen, untergegangenen Kirchenbau im Herzen der Stadt Goslar noch keine Monografie gewidmet hatte. Herr Bamberg stellte exemplarisch seine Forschungen zum äußeren Erscheinungsbild dar, gestützt auf eine Grundrisszeichnung des Districtsbaumeisters Ilse aus dem Jahr 1813, gefertigt in Vorbereitung des Abrisses. Dabei hob er bezogen auf das aufsteigende Mauerwerk zunächst den Westbau besonders hervor. Er diente dem standesgemäßen Empfang des Kaisers samt Gefolge und fungierte als Gerichtsstätte, die eine gewisse Offenheit erforderte. Bamberg plädierte für die Bezeichnung „Westschild“. Weitere Schwerpunkte waren die Form des Vierungsturmes, die er auf die Anastasis-Rotunde der Grabeskirche in Jerusalem zurückführte, die Umbauten am Ostchor und die nördliche Eingangshalle, die als einziges Relikt bis heute die ursprüngliche Größe der Kollegiats-Stiftskirche bezeugt.

Bei der Betrachtung des Innenraumes ging Bamberg anhand verschiedener Ansichtszeichnungen besonders auf die Position der liturgischen Orte und des Kaiserthrons ein. Der bronzene „Goldene Altar“ (fälschlich bis heute als Krodoaltar bezeichnet) war dem hl. Erzengel Michael und dem Bischof Hilarius von Poitiers geweiht. Sein Standort wird höchstwahrscheinlich auf der Empore des Westbaus gelegen haben zusammen mit dem Kaiserthron. Umbauten in Zusammenhang mit der sicheren Aufhängung der Glocken sollen zu der neuen Anordnung im Chorbereich Anlass gegeben haben.

Es macht die Ausführungen Dr. Bambergs so bedeutungsvoll, dass er seine (oft neuen) Hypothesen im Zusammenhang damaliger Nutzungen und Baulösungen diskutiert. Abschließend machte der Referent deutlich, dass der verarmten Stadt angesichts des schlechten Bauzustands und mangelnder Nutzung nur die Abrisslösung als verantwortlich erschien. Die Hochschätzung alter Kunst kam für den „Dom“ leider zu spät.

Die gut 40 ZuhörerInnen dankten für den fesselnden und reich illustrierten Vortrag mit langem Applaus. Professor Gerd Winner sprach von einem besonderen Erlebnis und sprach Herrn Dr. Bamberg einen persönlichen freundschaftlichen Dank aus.


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Schon zu Beginn seiner Ausführungen machte der Referent deutlich, wie verwunderlich es sei, dass man diesem bedeutungsvollen, untergegangenen Kirchenbau im Herzen der Stadt Goslar noch keine Monografie gewidmet hatte. Herr Bamberg stellte exemplarisch seine Forschungen zum äußeren Erscheinungsbild dar, gestützt auf eine Grundrisszeichnung des Districtsbaumeisters Ilse aus dem Jahr 1813, gefertigt in Vorbereitung des Abrisses. Dabei hob er bezogen auf das aufsteigende Mauerwerk zunächst den Westbau besonders hervor. Er diente dem standesgemäßen Empfang des Kaisers samt Gefolge und fungierte als Gerichtsstätte, die eine gewisse Offenheit erforderte. Bamberg plädierte für die Bezeichnung „Westschild“. Weitere Schwerpunkte waren die Form des Vierungsturmes, die er auf die Anastasis-Rotunde der Grabeskirche in Jerusalem zurückführte, die Umbauten am Ostchor und die nördliche Eingangshalle, die als einziges Relikt bis heute die ursprüngliche Größe der Kollegiats-Stiftskirche bezeugt.

Bei der Betrachtung des Innenraumes ging Bamberg anhand verschiedener Ansichtszeichnungen besonders auf die Position der liturgischen Orte und des Kaiserthrons ein. Der bronzene „Goldene Altar“ (fälschlich bis heute als Krodoaltar bezeichnet) war dem hl. Erzengel Michael und dem Bischof Hilarius von Poitiers geweiht. Sein Standort wird höchstwahrscheinlich auf der Empore des Westbaus gelegen haben zusammen mit dem Kaiserthron. Umbauten in Zusammenhang mit der sicheren Aufhängung der Glocken sollen zu der neuen Anordnung im Chorbereich Anlass gegeben haben.

Es macht die Ausführungen Dr. Bambergs so bedeutungsvoll, dass er seine (oft neuen) Hypothesen im Zusammenhang damaliger Nutzungen und Baulösungen diskutiert. Abschließend machte der Referent deutlich, dass der verarmten Stadt angesichts des schlechten Bauzustands und mangelnder Nutzung nur die Abrisslösung als verantwortlich erschien. Die Hochschätzung alter Kunst kam für den „Dom“ leider zu spät.

Die gut 40 ZuhörerInnen dankten für den fesselnden und reich illustrierten Vortrag mit langem Applaus. Professor Gerd Winner sprach von einem besonderen Erlebnis und sprach Herrn Dr. Bamberg einen persönlichen freundschaftlichen Dank aus.


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