28. November 2019

Kunst und Kirche aus der Sicht von Bischof Norbert Trelle

Zwei Dutzend Kunstfreunde kamen zur "KulTourZeit am Mittwoch" nach Liebenburg, um sich Gedankenanstöße zu den wechselseitigen Chancen zwischen Kunst und Kirche zu holen.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Es war wohl der bislang prominenteste Gast, der seit Herbst 2017 in den 20 Abendveranstaltungen als Referent eingeladen war. Als Podiumsgespräch angelegt, begann die 90-minütige Veranstaltung mit Statements der drei Referenten, gefolgt von einer Befragung des emeritierten Bischofs entlang seiner Biografie.

Künstlerseelsorger Pastor Schmalstieg begrüßte die Gäste und schlug mit seinem eigenen bischöflichen Dialog-Auftrag die Brücke zu Professor Gerd Winner dem seit 30 Jahren tätigen Kurator des "Aschermittwochs der Künstler". Diese von Bischof Dr. Joseph Homeyer initiierte Reihe präsentiert alljährlich zeitgenössische Positionen aus Literatur und Bildender Kunst. Schmalstieg hob hervor, wie der hautnahe Austausch mit Malern und Bildhauern seine gottesdienstliche Verkündigung verändert habe. Auch auf die Bibelarbeit hätten die Impulse Auswirkungen. Insbesondere die Bildhaftigkeit von Gleichnissen und Parabeln, nehme er deutlich sensibler wahr.

Bischof Norbert betonte, ausgehend von den Perikopen Lk 18 und 19 anhand der Blindenheilung und der Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus, dass die Kunst dem Menschen auf eine sehr wirkungsvolle Weise dabei helfe, das neue Sehen im Sinne des inneren Sehens zu erlernen, um seine Bestimmung innerhalb der Welt zu erkennen und darin froh zu werden. Edvard Munchs Gemälde "der Schrei" nannte er als Beispiel, wie der Schrei des Blinden sich Bahn gebrochen habe, Landschaften des Romantiker Caspar David Friedrich drückten für Trelle die Weite des neu gewonnene Blicks des kleinwüchsigen Zachäus nach seiner Bekehrung aus. Trelle würdigte die Kunst als wichtige Partnerin und Inspiratorin für ihn als Mann des Wortes.

Gerd Winner knüpfte an das Beispiel mit Munchs Gemälde an. Er sprach dankbar von dem langen, vertrauensvollen Weg, den er gemeinsam mit Bischof Norbert gegangen sei. Ihm als Künstler ginge es bei seiner Arbeit immer darum, mit dem Aufwerfen von Fragen zur Erweiterung des Blicks beizutragen. Ob es bei seiner verstorbenen Frau Ingema Reuter der Rückgriff auf alte Meister in Form der "Befragung" oder bei ihm in der Reduktion bis hin zur Abstraktion, das Anliegen sei, das Bild hinter dem Bild wachzurufen, hinter die Oberfläche des unmittelbar vor Augen liegenden vorzudringen. Hier liege der Raum des Spirituellen, der jedem Menschen innewohne.

In der anschließenden Befragung gab Bischof Norbert noch manche persönliche Erfahrungen von sich preis. Sohn eines Architekten, der ihn als jugendlichen auch mit zu den ersten Documenta- Veranstaltungen in Kassel nahm, die ihn bis 2012 noch stark interessierten; Vorlesungsbesuch bei dem Kunsthistoriker Heinrich Lützeler während seines Theologiestudiums in Bonn und vieles andere mehr. Bischof Norbert dankte abschließend den beiden Gesprächspartnern des Podiums für ihre Arbeit im Dienste des Glaubens und der Kirche.

So klang ein interessanter Abend bei angeregten Gesprächen und einem Glas Wein im kleinen Kreis aus.


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