26. Februar 2022

Läuten für den Frieden

Anja Schmidt erzählt vom Gefühl einer Mutter, deren Sohn vor gerade einmal zwei Wochen zum Dienst in der Bundeswehr vereidigt wurde - und vom Läuten für den Frieden in der Krankenhauskapelle.

Von Anja Schmidt - Gerade einmal etwas mehr als 14 Tage ist es her, da leistete mein ältester Sohn Niklas in unserem Beisein als Eltern seinen Eid bei der Bundeswehr mit den Worten: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe!“ Die nächsten 15 Jahre seines jungen Lebens wird er nun also darauf verwenden, für unsere Freiheit und den Frieden auf der ganzen Welt einzustehen – mit ganzer Seele und all seinen Kräften.

Und gerade einmal etwas mehr als zwei Monate ist es her, da besprach er mit uns sein Testament und seine Wünsche für sein Begräbnis – für den Fall der Fälle – so sieht es die Bundeswehr vor. Mit so viel mehr als einem Gefühl der Ohnmacht nahm ich seinen Willen, der vielleicht einmal sein letzter sein soll, zur Kenntnis.

Etwas mehr als 20 Jahre ist es her, dass meine Großmutter mir kurz vor Niklas Geburt prophezeite, dass wenn viele Jungen geboren werden (er war einer von sechs in meinem Umfeld) es Krieg geben würde! Ich sprach daraufhin vor Wut, Empörung und Gräuel in meinem Innen ein halbes Jahr kein Wort mehr mit ihr – sie sollte recht behalten. Mehr noch, denn nun ist mein Sohn nicht nur alt genug, um eben für einen solchen Krieg eingesetzt zu werden, sondern auch tatsächlich noch in dieser Position, um dafür in Frage zu kommen.

Etwas mehr als drei Wochen ist es her, da sagte die Verteidigungsministerin: „Wir senden keine Waffen in die Ukraine!“ – Nur Ausrüstungen und finanzielle Unterstützung wurden zugesagt. Kurze Zeit später jedoch schon verließen die ersten Panzer Munster in Niedersachsen und das Truppenkontingent in Litauen wurde auf knapp 1000 Soldaten aufgestockt. Wieder ein paar Tage später gibt es Flugabwehr, Kriegsschiffe, mehr Panzer, mehr Soldaten zur Verstärkung der Ostflanke und Unterstützung der NATO-Bündnispartner wie z. B. in Rumänien. Es werden Battlegroups gebildet, die bis zum April weiter ausgebildet werden sollen. Wir wollen vorbereitet sein, im Schulterschluss zeigen: So lassen wir nicht mit uns umspringen, weder in Europa, noch an einem anderen Ort dieser Welt! Der Frieden ist nicht nur bedroht, er wird systematisch mit Füßen getreten!

Die Bundeswehr tut nun das, wozu sie da ist, wozu sie nach dem zweiten Weltkrieg eingerichtet worden ist. Unser Land zu verteidigen vor Angriffen, den Frieden zu erhalten und Partner zu sein für andere Nationen. Niemals hätte ich, als im Frieden geboren und aufgewachsen, geglaubt, dass uns ein Krieg so nahe kommen wird bzw. vielleicht auch unser eigenes Land einer solch real, nahen Bedrohung ausgesetzt sein würde. – Unvorstellbar und doch so wahr!

Daher lag nichts näher im Andachtsteam der Klinikseelsorge, als gestern Abend im ökumenischen Verständnis gemeinsam die Kirchenglocken um 18 Uhr ertönen zu lassen für fünf Minuten, als ein Zeichen für den Wunsch nach Frieden in unserem Land, in Europa und der Welt. Wenn auch nur über den Lautsprecher, mangels Kirchenglocke in der Kreuzkapelle, so war doch durch die geöffneten Fenster für jedermann hörbar: Wir läuten für den Frieden - wie alle anderen Kirchorte auch gerade. Wir luden die Patienten via Klinikkanal nach dem Freitagabendgottesdienst ein, sich um 18 Uhr mit uns gemeinsam zum Friedensgeläut zu versammeln und aus den Patientenzimmern dabei zu sein, um auch im Anschluss mit uns in die Friedensgebete einzustimmen. Wir entzündeten alle Kerzen, die wir finden konnten, denn wo Licht ist, da ist der Herr in unserer Mitte und wo viel Licht ist, da wird ER wohl ganz dringend gebraucht.

Das letzte Lied an diesem Abend, nach dem Friedensgebet erzeugte dieses unglaublich tiefe Gänsehautgefühl auf der Seele, mit einem unstillbaren Durst nach Frieden. Als eines der ältesten Antikriegslieder beendete „Sag mir wo die Blumen sind“ unser erstes Friedensgebet in der Kapelle des Krankenhauses. Und während sich dieses Lied auf meiner Seele entfaltete, umarmte ich fest in Gedanken meinen Sohn und betete für ihn. „So wahr dir Gott helfe!“


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Läuten für den Frieden

Anja Schmidt erzählt vom Gefühl einer Mutter, deren Sohn vor gerade einmal zwei Wochen zum Dienst in der Bundeswehr vereidigt wurde - und vom Läuten für den Frieden in der Krankenhauskapelle.

Von Anja Schmidt - Gerade einmal etwas mehr als 14 Tage ist es her, da leistete mein ältester Sohn Niklas in unserem Beisein als Eltern seinen Eid bei der Bundeswehr mit den Worten: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe!“ Die nächsten 15 Jahre seines jungen Lebens wird er nun also darauf verwenden, für unsere Freiheit und den Frieden auf der ganzen Welt einzustehen – mit ganzer Seele und all seinen Kräften.

Und gerade einmal etwas mehr als zwei Monate ist es her, da besprach er mit uns sein Testament und seine Wünsche für sein Begräbnis – für den Fall der Fälle – so sieht es die Bundeswehr vor. Mit so viel mehr als einem Gefühl der Ohnmacht nahm ich seinen Willen, der vielleicht einmal sein letzter sein soll, zur Kenntnis.

Etwas mehr als 20 Jahre ist es her, dass meine Großmutter mir kurz vor Niklas Geburt prophezeite, dass wenn viele Jungen geboren werden (er war einer von sechs in meinem Umfeld) es Krieg geben würde! Ich sprach daraufhin vor Wut, Empörung und Gräuel in meinem Innen ein halbes Jahr kein Wort mehr mit ihr – sie sollte recht behalten. Mehr noch, denn nun ist mein Sohn nicht nur alt genug, um eben für einen solchen Krieg eingesetzt zu werden, sondern auch tatsächlich noch in dieser Position, um dafür in Frage zu kommen.

Etwas mehr als drei Wochen ist es her, da sagte die Verteidigungsministerin: „Wir senden keine Waffen in die Ukraine!“ – Nur Ausrüstungen und finanzielle Unterstützung wurden zugesagt. Kurze Zeit später jedoch schon verließen die ersten Panzer Munster in Niedersachsen und das Truppenkontingent in Litauen wurde auf knapp 1000 Soldaten aufgestockt. Wieder ein paar Tage später gibt es Flugabwehr, Kriegsschiffe, mehr Panzer, mehr Soldaten zur Verstärkung der Ostflanke und Unterstützung der NATO-Bündnispartner wie z. B. in Rumänien. Es werden Battlegroups gebildet, die bis zum April weiter ausgebildet werden sollen. Wir wollen vorbereitet sein, im Schulterschluss zeigen: So lassen wir nicht mit uns umspringen, weder in Europa, noch an einem anderen Ort dieser Welt! Der Frieden ist nicht nur bedroht, er wird systematisch mit Füßen getreten!

Die Bundeswehr tut nun das, wozu sie da ist, wozu sie nach dem zweiten Weltkrieg eingerichtet worden ist. Unser Land zu verteidigen vor Angriffen, den Frieden zu erhalten und Partner zu sein für andere Nationen. Niemals hätte ich, als im Frieden geboren und aufgewachsen, geglaubt, dass uns ein Krieg so nahe kommen wird bzw. vielleicht auch unser eigenes Land einer solch real, nahen Bedrohung ausgesetzt sein würde. – Unvorstellbar und doch so wahr!

Daher lag nichts näher im Andachtsteam der Klinikseelsorge, als gestern Abend im ökumenischen Verständnis gemeinsam die Kirchenglocken um 18 Uhr ertönen zu lassen für fünf Minuten, als ein Zeichen für den Wunsch nach Frieden in unserem Land, in Europa und der Welt. Wenn auch nur über den Lautsprecher, mangels Kirchenglocke in der Kreuzkapelle, so war doch durch die geöffneten Fenster für jedermann hörbar: Wir läuten für den Frieden - wie alle anderen Kirchorte auch gerade. Wir luden die Patienten via Klinikkanal nach dem Freitagabendgottesdienst ein, sich um 18 Uhr mit uns gemeinsam zum Friedensgeläut zu versammeln und aus den Patientenzimmern dabei zu sein, um auch im Anschluss mit uns in die Friedensgebete einzustimmen. Wir entzündeten alle Kerzen, die wir finden konnten, denn wo Licht ist, da ist der Herr in unserer Mitte und wo viel Licht ist, da wird ER wohl ganz dringend gebraucht.

Das letzte Lied an diesem Abend, nach dem Friedensgebet erzeugte dieses unglaublich tiefe Gänsehautgefühl auf der Seele, mit einem unstillbaren Durst nach Frieden. Als eines der ältesten Antikriegslieder beendete „Sag mir wo die Blumen sind“ unser erstes Friedensgebet in der Kapelle des Krankenhauses. Und während sich dieses Lied auf meiner Seele entfaltete, umarmte ich fest in Gedanken meinen Sohn und betete für ihn. „So wahr dir Gott helfe!“


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