24. Dezember 2021

Mensch werden

Gedanken zum Weihnachtsfest von Pater Ernst-Willi Paulus, Pfarrverwalter in der Katholischen Kirche Nordharz.

An Weihnachten feiern wir, dass Gott ein Mensch geworden ist. Die Menschwerdung Gottes ist ein abgeschlossenes Ereignis. Es begann mit der Ankündigung der Schwangerschaft Marias, es setzte sich fort mit der Geburt Jesu in Betlehem, über seine Kindheit in Nazaret, seine Wanderjahre in Galiläa und Judäa und fand seinen Abschluss mit Tod, Auferstehung und Himmelfahrt. – So kann man das Christus-Ereignis deuten.

Angelus Silesius weist auf einen wichtigen anderen Aspekt hin: „Und wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ Jesu Eintritt in die Welt fand nicht im Kaiserpalast in Rom und nicht im Königspalast in Jerusalem statt, sondern in einem Stall, im Dreck.

Jesus ist sich nicht zu schade, auch in den „Stall“ meines Herzens einzuziehen, damit ich Mensch werden kann.

Das „Projekt Menschwerdung“ ist nicht abgeschlossen mit der Menschwerdung Gottes. Meine Menschwerdung, die Menschwerdung der Menschheit steht noch aus. Auf diesem Weg bin ich, sind wir alle unser ganzes Leben lang unterwegs. Beim Blick auf das Leben Jesu kann ich in vielen Szenen erkennen, was mich weiterbringt in meiner Menschwerdung: barmherzig sein mit den anderen Menschen, solidarisch sein mit den Armen und Rechtlosen, verantwortungsbewusst umgehen mit der Schöpfung und demütig sein vor Gott.

Das gelingt beileibe nicht immer, und so gleicht das „Mensch werden“ oft der Echternacher Springprozession: Drei Schritte vor, und wieder zwei zurück. Aber darauf kommt es letztlich auch gar nicht an. Wie weit ich auf dem Weg der Menschwerdung auch immer gekommen bin, das Ziel werde ich aus eigener Kraft nicht erreichen. Am Ende meines Lebens wartet Gott auf mich, der mir am Beginn das Leben geschenkt hat und der mir dann die Vollendung des Lebens schenken will.

Ich wünsche allen Menschen guten Willens ein gnadenreiches Weihnachtsfest und einen Schritt voran beim Mensch-Werden.

P. Ernst-Willi Paulus C.Ss.R.

Foto: Peter Weidemann | pfarrbriefservice.de

Das Foto beinhaltet einen Aufkleber der "Erinnerungsguerilla" (https://die-erinnerungsguerilla.org), die "an die Kraft von Fragen [glaubt]. Fragen, die an zentrale Themen im menschlichen Leben rühren. Fragen, die an unsere innersten Überzeugungen, Werte und unsere ganz eigenen Vorstellungen, wie sich das Leben gestaltet, anschließen = erinnern sollen." (https://die-erinnerungsguerilla.org/mehr-wissen.html). Diese Fragen seien offen, suchten keine direkte Antwort, fügten nichts Neues hinzu und wollten nicht konfrontativ belehren, heißt es auf der Webseite der "Erinnerungsguerilla". Als wichtigste Aktivität bezeichnet sie "das Verteilen der Fragen, die als kleinformatige Aufkleber bezogen werden können." (Quelle: pfarrbriefservice.de)


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Angelus Silesius weist auf einen wichtigen anderen Aspekt hin: „Und wäre Christus tausendmal in Betlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ Jesu Eintritt in die Welt fand nicht im Kaiserpalast in Rom und nicht im Königspalast in Jerusalem statt, sondern in einem Stall, im Dreck.

Jesus ist sich nicht zu schade, auch in den „Stall“ meines Herzens einzuziehen, damit ich Mensch werden kann.

Das „Projekt Menschwerdung“ ist nicht abgeschlossen mit der Menschwerdung Gottes. Meine Menschwerdung, die Menschwerdung der Menschheit steht noch aus. Auf diesem Weg bin ich, sind wir alle unser ganzes Leben lang unterwegs. Beim Blick auf das Leben Jesu kann ich in vielen Szenen erkennen, was mich weiterbringt in meiner Menschwerdung: barmherzig sein mit den anderen Menschen, solidarisch sein mit den Armen und Rechtlosen, verantwortungsbewusst umgehen mit der Schöpfung und demütig sein vor Gott.

Das gelingt beileibe nicht immer, und so gleicht das „Mensch werden“ oft der Echternacher Springprozession: Drei Schritte vor, und wieder zwei zurück. Aber darauf kommt es letztlich auch gar nicht an. Wie weit ich auf dem Weg der Menschwerdung auch immer gekommen bin, das Ziel werde ich aus eigener Kraft nicht erreichen. Am Ende meines Lebens wartet Gott auf mich, der mir am Beginn das Leben geschenkt hat und der mir dann die Vollendung des Lebens schenken will.

Ich wünsche allen Menschen guten Willens ein gnadenreiches Weihnachtsfest und einen Schritt voran beim Mensch-Werden.

P. Ernst-Willi Paulus C.Ss.R.

Foto: Peter Weidemann | pfarrbriefservice.de

Das Foto beinhaltet einen Aufkleber der "Erinnerungsguerilla" (https://die-erinnerungsguerilla.org), die "an die Kraft von Fragen [glaubt]. Fragen, die an zentrale Themen im menschlichen Leben rühren. Fragen, die an unsere innersten Überzeugungen, Werte und unsere ganz eigenen Vorstellungen, wie sich das Leben gestaltet, anschließen = erinnern sollen." (https://die-erinnerungsguerilla.org/mehr-wissen.html). Diese Fragen seien offen, suchten keine direkte Antwort, fügten nichts Neues hinzu und wollten nicht konfrontativ belehren, heißt es auf der Webseite der "Erinnerungsguerilla". Als wichtigste Aktivität bezeichnet sie "das Verteilen der Fragen, die als kleinformatige Aufkleber bezogen werden können." (Quelle: pfarrbriefservice.de)


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