15. Dezember 2020

Nicht nur darauf schauen, was gerade erlaubt ist

In seinem "Wort zum Alltag" hat sich Gemeindereferent Marco Koch mit Regeln beschäftigt - und damit, warum es möglicherweise nicht so leicht ist, sich daran zu halten.

Foto: pixabay.com

"Du sollst" - mit diesen Worten beginnen "alle diese Worte" die Gott vom Berg Sinai zum Volk Israel spricht und die wir als die 10 Gebote kennen. In unseren Tagen kommen noch ganz andere Gebote hinzu: Du sollst Abstand halten! Du sollst die Hygiene-Regeln beachten. Du sollst eine Mund-Nase-Maske tragen! AHA!

Das Einhalten dieser Regeln - egal, ob es die 10 Gebote sind oder die AHA-Formel - ist ja eigentlich nicht besonders schwierig. Sie sind ziemlich klar und eindeutig formuliert. Warum klappt es trotzdem so häufig nicht? Ist es vielleicht dieses Gefühl im Hintergrund, dass ich mir doch nicht von jemandem anders sagen lasse, wie ich leben soll?

In manchen Bibelübersetzungen beginnen die Gebote nicht mit der Formulierung "Du sollst das nicht tun" sondern mit den Worten "Du wirst das nicht tun" oder sogar mit "Du tust das nicht". Das wird verständlich, wenn ich den vorangestellten Satz nicht weglasse, sondern als Präambel verstehe. Bevor Gott nämlich "alle diese Worte" spricht, erinnert er daran, dass er das Volk Israel aus der Sklaverei befreit hat. Gott ist in Vorleistung getreten, indem er mir und jedem Menschen Freiheit schenkt. Er traut mir zu, dass ich mein Leben in Freiheit so gestalte, dass auch meine Mitmenschen in Freiheit leben können. Jesus fasst das so zusammen: "Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen ... und deinen Nächsten wie dich selbst". Sicher ist ihm dabei klar, dass mir das immer wieder nicht gelingt.

Würde die AHA-Formel eigentlich anders klingen, wenn die Aufforderungen mit "Du wirst" beginnen? Du wirst Abstand halten! Du wirst die Hygiene-Regeln beachten. Du wirst eine Mund-Nase-Maske tragen! Ich glaube, das würde nur dann etwas verändern, wenn klar ist, dass es dabei nicht um das Abarbeiten eines Regelkataloges geht, sondern mein Blick sich auf meine Mitmenschen richtet. Dann schaue ich nicht nur darauf, was gerade erlaubt ist und wie ich es möglichst weiträumig ausnutzen kann, sondern frage mich, wie ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dass auch die anderen gut durch diese Zeit kommen - selbst wenn das mit persönlichen Einschränkungen verbunden ist. Die Antwort darauf zu finden, das traut Gott uns zu, denn dazu hat er uns die Freiheit geschenkt.


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