11. Mai 2022

Viel sachbezogener Input

Die Frühjahrsexkursion im Rahmen der KulTourZeit führte in diesem Jahr nach Braunschweig-Querum.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Bei geradezu hochsommerlichen Temperaturen startete die diesjährige Frühjahrsexkursion nach Braunschweig-Querum zur St. Marienkirche. Insgesamt knapp zwanzig Personen ließen sich von vier Referenten in die Bauzeit und die Phasen der Neugestaltung einführen.

Pastor Schmalstieg erinnerte anhand einiger älterer Abbildungen, die projiziert wurden, an den ursprünglichen Baubestand. Im Oktober 1962, als in Rom die Sitzungen des II. Vatikanischen Konzils begannen, wurde durch den Domkapitular und Dechanten Franz Frese der Grundstein gelegt. Dipl. Ing. Alois Hafkemeyer entwarf den außen in gelben Klinkern verblendeten Stahlbetonbau. Dem Diakon Claus Kilian, der im März dieses Jahres verstarb, war die Gestaltung des Innenraumes übertragen worden.

Ein Bild, das Person, Mann, stehend enthält. Automatisch generierte BeschreibungPfarrer Bernward Mnich ließ sehr lebendig die Mühen des langen Umgestaltungsprozesses nachvollziehen. Der liturgische Baubestand war seit der Erbauungszeit unverändert geblieben. Die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez hat die neue Grundlinie der Gestaltung entwickelt. Entsprechend dem Patronat ließ sie weibliche Formen in die Pläne einfließen. Gewundene Altarstufen, ein die Sitze umspielendes Schriftband mit dem Lobgesang der Gottesmutter und die aus Kalkstein geformten liturgischen Orte Ambo, Altar und Taufstein sind daraus entstanden. Der Tabernakel aus der Erbauungszeit fand auf einer schlichten Stele seinen neuen Platz im hinteren Bereich der Kirche in einer kleinen Kapelle.

Schließlich rundeten die Erläuterungen der beiden Künstler Prof. Gerd Winner und Prof. Rainer Mordmüller die Baubetrachtungen wirkungsvoll ab. Winner ließ die Schwierigkeit durchblicken, in Gestaltungen seiner ehemaligen Meisterschülerin hineinzuwirken. Schließlich gab er aus seinem Privatbesitz ein Kreuzbild an die freie Wand hinter dem Altar. Ein Kruzifix von Giotto im Negativ auf gelbem Grund, das Tod und Auferstehung gleichermaßen zum Ausdruck bringt.

Rainer Mordmüller machte in seinen Ausführungen den Entstehungsprozess des vierzehnteiligen Kreuzwegzyklus anschaulich. Ein barocker Kreuzweg des Malers Tiepolo inspirierte in seiner gestalterischen Qualität zu völlig neuen Bildfindungen. Die eher skizzenartig eingefangenen zentralen Figurationen und Gesten fordern die Betrachtenden heraus, sich persönlich auf die Bilder einzulassen.

Durch soviel sachbezogenen Input hatten die Zuhörer am Ende das Bedürfnis, sich den Raum und seine künstlerisch hochrangige Ausstattung durch eigenes Sehen und das Einnehmen eigener Blickpunkte anzueignen.


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11. Mai 2022

Viel sachbezogener Input

Die Frühjahrsexkursion im Rahmen der KulTourZeit führte in diesem Jahr nach Braunschweig-Querum.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Bei geradezu hochsommerlichen Temperaturen startete die diesjährige Frühjahrsexkursion nach Braunschweig-Querum zur St. Marienkirche. Insgesamt knapp zwanzig Personen ließen sich von vier Referenten in die Bauzeit und die Phasen der Neugestaltung einführen.

Pastor Schmalstieg erinnerte anhand einiger älterer Abbildungen, die projiziert wurden, an den ursprünglichen Baubestand. Im Oktober 1962, als in Rom die Sitzungen des II. Vatikanischen Konzils begannen, wurde durch den Domkapitular und Dechanten Franz Frese der Grundstein gelegt. Dipl. Ing. Alois Hafkemeyer entwarf den außen in gelben Klinkern verblendeten Stahlbetonbau. Dem Diakon Claus Kilian, der im März dieses Jahres verstarb, war die Gestaltung des Innenraumes übertragen worden.

Ein Bild, das Person, Mann, stehend enthält. Automatisch generierte BeschreibungPfarrer Bernward Mnich ließ sehr lebendig die Mühen des langen Umgestaltungsprozesses nachvollziehen. Der liturgische Baubestand war seit der Erbauungszeit unverändert geblieben. Die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez hat die neue Grundlinie der Gestaltung entwickelt. Entsprechend dem Patronat ließ sie weibliche Formen in die Pläne einfließen. Gewundene Altarstufen, ein die Sitze umspielendes Schriftband mit dem Lobgesang der Gottesmutter und die aus Kalkstein geformten liturgischen Orte Ambo, Altar und Taufstein sind daraus entstanden. Der Tabernakel aus der Erbauungszeit fand auf einer schlichten Stele seinen neuen Platz im hinteren Bereich der Kirche in einer kleinen Kapelle.

Schließlich rundeten die Erläuterungen der beiden Künstler Prof. Gerd Winner und Prof. Rainer Mordmüller die Baubetrachtungen wirkungsvoll ab. Winner ließ die Schwierigkeit durchblicken, in Gestaltungen seiner ehemaligen Meisterschülerin hineinzuwirken. Schließlich gab er aus seinem Privatbesitz ein Kreuzbild an die freie Wand hinter dem Altar. Ein Kruzifix von Giotto im Negativ auf gelbem Grund, das Tod und Auferstehung gleichermaßen zum Ausdruck bringt.

Rainer Mordmüller machte in seinen Ausführungen den Entstehungsprozess des vierzehnteiligen Kreuzwegzyklus anschaulich. Ein barocker Kreuzweg des Malers Tiepolo inspirierte in seiner gestalterischen Qualität zu völlig neuen Bildfindungen. Die eher skizzenartig eingefangenen zentralen Figurationen und Gesten fordern die Betrachtenden heraus, sich persönlich auf die Bilder einzulassen.

Durch soviel sachbezogenen Input hatten die Zuhörer am Ende das Bedürfnis, sich den Raum und seine künstlerisch hochrangige Ausstattung durch eigenes Sehen und das Einnehmen eigener Blickpunkte anzueignen.