Was ist „wirklich“?
Am Karsamstag lief bei mir das Radio. „Unser Thema heute ist Glauben, Glauben im weitesten Sinne: religiös oder auch nicht. Was gibt Ihnen Halt?“ Die geäußerten Meinungen waren sehr unterschiedlich. Manche sprachen von ihrem christlichen Glauben (mit Kirche oder trotz Kirche), einige nannten für sie wichtige Werte, andere erzählten von sie tragenden Beziehungen. Nicht wenige standen dem Glauben skeptisch gegenüber.“Ich glaube lieber an die Wirklichkeit, was ich sehen, anfassen und beweisen kann.“
Interessanterweise erzählt uns die Bibel auch von solchen Skeptikern. Einer ist Thomas, einer der besten Freunde von Jesus, ein Apostel. Als ihm seine Freunde erzählen, dass Jesus auferstanden sei, sie ihn gesehen hätten, hält er dagegen: „Wenn ich ihn nicht selbst sehe, seine Verletzungen der Kreuzigung nicht berühren kann, glaube ich nicht!“ Später ist er dabei, als der Auferstandene zu seinen Freunden kommt. Jesus lädt ihn ein: „Komm, schau, fasse die Wunden an! Und fasse es: glaube!“ Kein Vorwurf, keine Strafpredigt, kein tadelndes Kopfschütteln, sondern liebevolles Verstehen. Das gefällt mir.
Ich heiße Thomas. Und ich weiß, dass meine gläubigen Eltern bei der Namensgebung an diesen Thomas der Bibel gedacht haben. Ich weiß auch, dass ich hier nicht die Skepsis lösen, das alles erklärende Argument sagen kann. Aber ich frage mich: Was ist wirklich? Ist die Liebe, die ich nicht sehen kann, zwischen zwei Menschen denn nicht wirklich? Ist die Zuversicht eines Kranken nicht wirklich? Ist die Schönheit einer Blume nicht wirklich, nur weil jemand sie nicht schön sehen kann? Ist nicht Vieles wirklich, auch wenn ich es nicht sehen oder beweisen kann? Ich persönlich glaube das – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Thomas Mogge, Pfarrer
Bild: Christiane Raabe | pfarrbriefservice.de





