27. Januar 2022

Wie Gott uns schuf

Die Initiative #OutInChurch und eine Dokumentation in der ARD haben eine öffentliche Debatte ausgelöst.

Von Christian Dierkes - Am vergangenen Montag, den 24. Januar wurde die Dokumentation "Wie Gott uns uns schuf" zur besten Sendezeit in der ARD gezeigt. Vielleicht haben sie den Film gesehen. Ansonsten ist er in der ARD-Mediathek weiterhin abrufbar. Einen Link finden sie am Ende des Artikels.

Worum geht es dabei?

Es geht um #OutInChurch! Eine Initiative, in der sich 125 kirchliche Mitarbeitende outen. Sie identifizieren sich selbst unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär, also als nicht heterosexuell. In ihrem Manifest, das auf der Seite https://outinchurch.de veröffentlich ist, schreiben sie: „Die meisten von uns haben mannigfach Erfahrungen mit Diskriminierung und Ausgrenzung gemacht – auch in der Kirche.“

Nun haben sie sich in einer beispiellosen Aktion gemeinsam geoutet, um zukünftig in ihrem kirchlichen Beruf oder Umfeld mit ihrer geschlechtlichen Identität und/oder mit ihrer sexuellen Orientierung offen umgehen zu können und sich nicht mehr dem etablierten System des Verschweigens, der Doppelmoral und der Unaufrichtigkeit zu unterwerfen. Und so fordern die Initiatoren, gemeinsam mit Tausenden von Unterzeichnenden des Manifests, dass die sexuelle Identität und Orientierung kein Kündigungsgrund mehr sein dürfe – was zurzeit der Fall ist – und eine „Änderung des diskriminierenden kirchlichen Arbeitsrechts einschließlich aller herabwürdigenden und ausgrenzenden Formulierungen in der Grundordnung des kirchlichen Dienstes.“

Viele kirchliche Vereine und Verbände haben sich ebenfalls mit der Initiative und ihren Forderungen solidarisiert und auch von vielen Bischöfen kommt eine positive Reaktion, so auch vom Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer. Seine Stellungnahme ist auf der Internetseite des Bistums zu finden. Darin heißt es: "Der wertschätzende Umgang mit homosexuellen Menschen in der Kirche ist völlig zu Recht ein wichtiges Thema des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist wichtig, dass die Debatte darüber geführt wird, wie wir homosexuellen Paaren liturgisch und pastoral in einer guten Weise begegnen. Wir müssen über die Segnung homosexueller Paare weiter diskutieren und sollten sie nicht tabuisieren.“

Persönliche Gedanken

Im Umgang mit queeren Menschen wird immer wieder auf die Bibel verwiesen. In der Bibel gibt es nur einige wenige Stellen, in denen Homosexualität Erwähnung findet. Es sollte sich aber jeder darüber bewusst sein, dass die Bibel weder eine wissenschaftliche Publikation, noch wörtlich zu verstehen ist. Sie muss im Kontext gelesen werden. Seit dem Verfassen der biblischen Schriften sind fast 2000 Jahre vergangen. Eine Zeit in der es Entwicklungen gab - wissenschaftliche und menschliche. Mir hilft die Frage: Wenn Jesus nicht in die damalige, sondern in die heutige Zeit geboren wäre, wie würde er handeln? Heute, in einer Zeit, in der sich Dinge schneller entwickeln, in der wir ein größeres und weiteres Verständnis vieler Themen haben? Wie würde seine Arbeit, die an Liebe und Gleichberechtigung aller ausgerichtet ist, dann aussehen?

Im ersten Punkt der pastoralen Konstitution „Gaudium et spes“, in der es um die Kirche in der Welt von heute geht, steht:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.

Ich frage mich, wie können wir als Jüngerinnen und Jünger Christi, als Kirche erwarten, dass sich uns Menschen anvertrauen, wenn wir die Verursacher ihrer Trauer und Angst sind? Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, ihnen Hoffnung auf ein gelingendes, gottgewolltes Leben zu machen?

Links zum Thema

#OutInChurch

Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ in der Mediathek der ARD

Stellungnahme von Bischof Dr. Heiner Wilmer auf der Internetseite des Bistums Hildesheim

Beiträge zum Thema auf katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland


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Worum geht es dabei?

Es geht um #OutInChurch! Eine Initiative, in der sich 125 kirchliche Mitarbeitende outen. Sie identifizieren sich selbst unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär, also als nicht heterosexuell. In ihrem Manifest, das auf der Seite https://outinchurch.de veröffentlich ist, schreiben sie: „Die meisten von uns haben mannigfach Erfahrungen mit Diskriminierung und Ausgrenzung gemacht – auch in der Kirche.“

Nun haben sie sich in einer beispiellosen Aktion gemeinsam geoutet, um zukünftig in ihrem kirchlichen Beruf oder Umfeld mit ihrer geschlechtlichen Identität und/oder mit ihrer sexuellen Orientierung offen umgehen zu können und sich nicht mehr dem etablierten System des Verschweigens, der Doppelmoral und der Unaufrichtigkeit zu unterwerfen. Und so fordern die Initiatoren, gemeinsam mit Tausenden von Unterzeichnenden des Manifests, dass die sexuelle Identität und Orientierung kein Kündigungsgrund mehr sein dürfe – was zurzeit der Fall ist – und eine „Änderung des diskriminierenden kirchlichen Arbeitsrechts einschließlich aller herabwürdigenden und ausgrenzenden Formulierungen in der Grundordnung des kirchlichen Dienstes.“

Viele kirchliche Vereine und Verbände haben sich ebenfalls mit der Initiative und ihren Forderungen solidarisiert und auch von vielen Bischöfen kommt eine positive Reaktion, so auch vom Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer. Seine Stellungnahme ist auf der Internetseite des Bistums zu finden. Darin heißt es: "Der wertschätzende Umgang mit homosexuellen Menschen in der Kirche ist völlig zu Recht ein wichtiges Thema des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist wichtig, dass die Debatte darüber geführt wird, wie wir homosexuellen Paaren liturgisch und pastoral in einer guten Weise begegnen. Wir müssen über die Segnung homosexueller Paare weiter diskutieren und sollten sie nicht tabuisieren.“

Persönliche Gedanken

Im Umgang mit queeren Menschen wird immer wieder auf die Bibel verwiesen. In der Bibel gibt es nur einige wenige Stellen, in denen Homosexualität Erwähnung findet. Es sollte sich aber jeder darüber bewusst sein, dass die Bibel weder eine wissenschaftliche Publikation, noch wörtlich zu verstehen ist. Sie muss im Kontext gelesen werden. Seit dem Verfassen der biblischen Schriften sind fast 2000 Jahre vergangen. Eine Zeit in der es Entwicklungen gab - wissenschaftliche und menschliche. Mir hilft die Frage: Wenn Jesus nicht in die damalige, sondern in die heutige Zeit geboren wäre, wie würde er handeln? Heute, in einer Zeit, in der sich Dinge schneller entwickeln, in der wir ein größeres und weiteres Verständnis vieler Themen haben? Wie würde seine Arbeit, die an Liebe und Gleichberechtigung aller ausgerichtet ist, dann aussehen?

Im ersten Punkt der pastoralen Konstitution „Gaudium et spes“, in der es um die Kirche in der Welt von heute geht, steht:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.

Ich frage mich, wie können wir als Jüngerinnen und Jünger Christi, als Kirche erwarten, dass sich uns Menschen anvertrauen, wenn wir die Verursacher ihrer Trauer und Angst sind? Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, ihnen Hoffnung auf ein gelingendes, gottgewolltes Leben zu machen?

Links zum Thema

#OutInChurch

Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ in der Mediathek der ARD

Stellungnahme von Bischof Dr. Heiner Wilmer auf der Internetseite des Bistums Hildesheim

Beiträge zum Thema auf katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland


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